Antibiotikum in der Kälbermast – eine praktische Studie über den umstrittenen Einsatz von Antibiotika in der Kälbermast

 

Chemie | Biochemie | Medizin

 

Carola Muff, 2001 | Neuenkirch, LU

 

In der Landwirtschaft werden viel zu viele Antibiotika eingesetzt. Damit wird das Risiko für antibiotika- und multi-resistente Bakterien ständig erhöht. Die Gesundheit der Bevölkerung und der Tiere wird damit aufs Spiel gesetzt. Verbesserte Tierhaltung und Gesundheitskontrollen erübrigen weitgehend den präventiven Antibiotikaeinsatz.

Fragestellung

Die Hauptfrage meiner Arbeit war herauszufinden, was der antibiotikaärmste Weg für einen Tränker in der Kälbermast ist.

Methodik

Mittels mehreren Fragebögen und Beobachtungen in Betrieben mit und ohne präventiven Antibiotikaeinsatz ist es mir gelungen, einige interessante Daten zu analysieren und in Diagrammen zu präsentieren.

Ergebnisse

Die erhobenen Daten zeigen, dass die präventive Abgabe von 3 verschiedenen Antibiotika an Kälber, die in die Mast kommen, später auftretende Atemwegsinfektionen nicht verhindern. Bei den in der Studie untersuchten Tieren, mussten die präventiv behandelten Tiere öfters mit Antibiotika nachbehandelt werden, als die nicht präventiv Behandelten. Allerdings wurde bei den nicht vorbehandelten Tieren auf Tierhandel verzichtet.

Diskussion

Einer der wichtigsten Faktoren ist der Lebensstart eines Kalbes auf dem Geburtsbetrieb. Die empfohlene Kolostrumverabreichung von 4 Litern sollte unbedingt eingehalten werden. So wird das Immunsystem gestärkt und die Kälber können die wichtigen Antikörper durch die Milch aufnehmen. Auch die Haltungen auf dem Mast- sowie Geburtsbetrieb spielen eine grosse Rolle. Wichtig wäre die Einzelhaltung der Kälber auf dem Geburtsbetrieb. Auch auf dem Mastbetrieb wäre es sehr sinnvoll, die Kälber in der ersten Zeit in Kleingruppen, möglichst in Quarantäne, zu halten.
Ein Gesundheitscheck beim Eintreffen auf dem Mastbetrieb ist sehr sinnvoll. Die Krankheitserscheinungen beim Eintreffen auf dem Mastbetrieb sind oft auf Stress durch Transport und Handel zurückzuführen. Die Tiere werden ein erstes Mal genau untersucht und seltene Auffälligkeiten oder starke Krankheitsanzeichen werden so bereits von Anfang an richtig erkannt. Für die Kälber ist es enorm wichtig, mehrmals täglich beobachtet zu werden. Damit können ernsthafte Krankheitserscheinungen frühzeitig behandelt werden, bevor andere Kälber infiziert werden.
Damit ein Kalb es schafft, mit möglichst wenig Antibiotikum durch die Mast zu kommen, ist Hygiene, Konsequenz in der Haltung und im Einkauf der Kälber sowie ein geschultes Auge notwendig. Der Antibiotikagebrauch wird stark minimiert, wenn die Kälber auf kleineren Betrieben gemästet werden. Je höher die Anzahl Tiere, desto grösser wird das Risiko für Infektionen. Mit weniger Kälber wird es auch möglich, die Tiere zuerst in Quarantäne zu halten, sodass sie nicht in direkte Verbindung mit fremden Keimen kommen. Damit wird es möglich, auf die präventiv eingesetzten Antibiotika zu verzichten. Auch der Kälberhandel ist eine Keimplattform. Das Umgehen des Kälberhandels, wie es Betrieb A (ohne präventiven Antibiotikaeinsatz) praktiziert, schränkt die Infektionsrisiken bereits stark ein. Sobald das Kalb auf dem Mastbetrieb angekommen ist, liegt es in der Verantwortung des Mästers, dass das Kalb gesund bleibt. Ein grosszügiger, sauberer Stall mit viel frischer Luft und wenn möglich Auslauf, sind Grundvoraussetzungen, damit die Kälber gesund bleiben. Dazu müssen die Tränker mehrmals täglich beobachtet und die Kälbergesundheit kontrolliert werden. Sobald ein Tier erste Krankheitssymptome aufweist, sollte es sofort aus der Herde genommen und in einen ruhigen Einzelstall platziert werden, um eine zielführende Behandlung vorzunehmen. Genauso wichtig ist allerdings der Geburtsbetrieb, wo Kolostrum in der empfohlenen Menge verabreicht werden muss und die Kälber in sauber eingestreuten Ställen ihre ersten Lebenswochen verbringen. Je gesünder und immunstärker ein Kalb in die Mast kommt, desto erfolgreicher wird die Mast.

Schlussfolgerungen

Die oben erwähnten Massnahmen in der Kälbermast erscheinen mir als wichtige Schritte, den Antibiotikaeinsatz zu minimieren oder im optimalen Fall ganz zu vermeiden. Antibiotika in der Kälbermast ist nur ein Teil der Antibiotikaproblematik. Auch in der übrigen Veterinär- und Humanmedizin müssen dringend grosse Anstrengungen unternommen werden, um den Antibiotikaverbrauch nachhaltig zu reduzieren.
Anhand meiner Maturaarbeit konnte ich erkennen, dass Kälbermast, intensive Tiermast, Antibiotikum und Antibiotikaresistenz miteinander zusammenhängen. Ein vollständiger Verzicht auf Antibiotika ist kaum zu erreichen. Antibiotika sollten aber nur mit grösster Vorsicht und nur bei medizinischen Indikationen eingesetzt werden. So kann der Gebrauch um einiges eingeschränkt werden.

 

 

Würdigung durch den Experten

Prof. em. Joachim Frey

Das Thema der Arbeit von Frau Carola Muff ist von grosser gesellschaftlicher Bedeutung und greift ein zentrales Problem im Gesundheitswesen auf: die gefährliche Zunahme von Antibiotika resistenten Krankheitserregern durch übermässigen Antibiotika Einsatz. Sie hinterfragt kritisch die generelle präventive Antibiotika Behandlung von Mastkälbern bei der Einstallung und zeigt auf, dass vorbehandelte Tiere öfters erkrankten und behandelt werden mussten als nicht vorbehandelte. Sie plädiert für eine bessere Haltung und Überwachung der Mastkälber und auf Verzicht präventiver Antibiotika-Behandlung.

Prädikat:

sehr gut

 

 

 

Kantonsschule Reussbühl
Lehrerin: Dr. Susanna Weber