Bern, 20.11.2025
Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter hat heute 36 herausragende Jungforschende im Bernerhof empfangen und ihnen zu ihren Erfolgen am Nationalen Wettbewerb 2025 von Schweizer Jugend forscht gratuliert. In ihrer Ansprache würdigte sie die ausserordentliche Bedeutung der jungen Menschen für die Zukunft der Schweiz: 

«Wissenschaft beinhaltet mehr als nur die Freiheit zu forschen; sie bedeutet auch Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, um Wissen weiterzugeben und unsere Welt voranzutreiben. Sie, geschätzte Jungforschende, stehen für diese Energie und diesen Drang, weiterzugehen. Und wenn man sich Ihre Projekte anschaut, dann versteht man, dass die Zukunft unseres Landes von Ihnen abhängt.» 

Karin Keller-Sutter hob hervor, dass in einem Land ohne bedeutende natürliche Ressourcen unsere Stärke auf der Fähigkeit beruht, Ideen zu entwickeln und diese in Lösungen umzuwandeln. Und weil wir es verstanden haben, diesen Innovationsgeist zu pflegen, ist die Schweiz heute eines der stabilsten, aber auch eines der erfindungsreichsten Länder der Welt. 


Einblicke in wegweisende Projekte 

Anna Marina Roos präsentierte ihre Forschungsarbeit mit dem Titel «Einfluss der Popkultur der Hippies auf den Vietnamkrieg». Die musikhistorische Studie befasst sich mit der Frage, welche Wirkung populäre Musik und insbesondere Protestsongs auf politische Entscheidungsprozesse während des Vietnamkriegs hatten. Auf Basis von elf detaillierten Song-Analysen sowie umfangreichem Quellenmaterial zeigt Roos auf, wie stark musikalische Protestformen öffentliche Wahrnehmungen und den gesellschaftlichen Widerstand gegen den Krieg beeinflussten. Die Arbeit liefert schlüssige Antworten auf die Rolle der Popkultur in einem historischen Konflikt und stellt damit einen wertvollen Beitrag zum Verständnis politischer Kulturleistungen dar. 

Am EU-Contest for Young Scientists (EUCYS) im September dieses Jahres in Riga erzielte Anna Marina mit ihrer Arbeit einen internationalen Erfolg. Sie wurde mit einem Sonderpreis ausgezeichnet und zählt damit zu den besten Jungforschenden Europas. 

William Blättler widmete sich einer mikrobiologischen Fragestellung und untersuchte das Typ-VI-Sekretionssystem (T6SS) von Acinetobacter baylyi. Seine Arbeit zeigt grosse wissenschaftliche Sorgfalt und liefert neue Hypothesen zum Funktionsmechanismus dieses bakteriellen Abwehr- und Angriffssystems. Durch klar strukturierte Methodik und präzise Darstellung seiner Ergebnisse gelingt es Blättler, das Verständnis um die bakteriellen Interaktionen zu vertiefen und Anknüpfungspunkte für weitere Forschung zu schaffen. Die Jury würdigte besonders die analytische Tiefe und den wertvollen Beitrag zu einem hochaktuellen Gebiet der Mikrobiologie.

Auch William hat die Schweiz am EUCYS offiziell vertreten. 

Victoria Hoffmann entwickelte einen autonomen Roboter zur Sturzerkennung, der mithilfe von Elektronik, Sensortechnik, Datenverarbeitung und KI-Modellen Personen in Notsituationen erkennen soll. Hoffmann eignete sich das technische Wissen selbstständig an und kombinierte anspruchsvolle Komponenten zu einem funktionierenden System. Ihre umfangreiche Evaluation der Roboterperformance unter realitätsnahen Bedingungen zeigt, dass die Lösung ein hohes wissenschaftliches Niveau erreicht und grosses Potenzial für den Einsatz im Gesundheits- und Pflegebereich besitzt. Die Arbeit beeindruckte durch ihre gesellschaftliche Relevanz und die gelungene Umsetzung eines interdisziplinären Projekts. 


Dialog mit der Bundespräsidentin 

Im anschliessenden Austausch diskutierten die Jungforschenden mit Bundespräsidentin Keller-Sutter unter anderem über: 

  • Wie gelingen faire und chancengerechte Forschungsbedingungen in der Schweiz? 
  • Wie kann die Schweiz ihre Unabhängigkeit wahren und gleichzeitig innovativ mit der EU kooperieren – insbesondere bei Themen wie Forschung, Datensicherheit und KI? 
  • wissenschaftliche Kommunikation in Zeiten polarisierter Debatten: Wie bleiben demokratische Prozesse in der digitalen Öffentlichkeit widerstandsfähig gegen Desinformation?
  • Verliert der Standort Schweiz an Attraktivität aufgrund der US-Zölle, der Regulierung der Banken oder dem Bedeutungsverlust internationaler Organisationen und somit des internationalen Genfs? Was kann die Politik dagegen tun?
     

Die jungen Menschen stehen vor grossen Herausforderungen unserer Zeit: Klimawandel, geopolitische Spannungen, neue Technologien und gesellschaftliche Unsicherheiten. Gleichzeitig leisten sie mit ihrem Wissen und Engagement einen entscheidenden Beitrag zu Lösungen für eine zukunftsfähige Schweiz. Die heutige Begegnung wurde von vielen Teilnehmenden als starke Motivation wahrgenommen, ihren Forschungsweg weiterzugehen. 


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