Der Einfluss progressiver Muskelrelaxation auf den Cortisol-Spiegel

 

Chemie | Biochemie | Medizin

 

Alzbeta Vaclavkova, 2000 | Allschwil, BL

 

Das Ziel der Arbeit war es, herauszufinden, welchen Einfluss progressive Muskelrelaxation (PMR) nach einer Stresssituation auf den Cortisol-Spiegel im Speichel hat. Um dies zu untersuchen, wurden 17- bis 18-jährige Probandinnen in die Gruppen A und B aufgeteilt, wobei bei beiden mittels des Trier Social Stress Tests (TSST) eine Stresssituation simuliert wurde. Nach dem TSST wurde bei der Gruppe A die PMR durchgeführt, während die Probandinnen der Gruppe B still sitzen mussten. Die Auswertung zeigte, dass es nach dem TSST bei der Gruppe A zu einem signifikanten Cortisol-Anstieg (p < 0,01) kam, während dies bei der Gruppe B nicht der Fall war. Vergleicht man bei der Gruppe A die Werte vor und nach der PMR, so war kein signifikanter Unterschied festzustellen. Bei der Gruppe B hingegen stieg nach dem Stillsitzen der Cortisol-Spiegel signifikant an (p < 0,05). Dies weist darauf hin, dass die PMR eine Entspannungsreaktion ausgelöst hat. Die unterschiedliche Reaktion der Gruppen auf den TSST erschwert allerdings die Interpretation der späteren Resultate. Trotzdem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die PMR auch nach Stresssituationen eine Entspannungsreaktion auslösen und einen Einfluss auf den Speichel-Cortisol haben kann.

Fragestellung

Stress ist eine komplexe Reaktion des Körpers, die sich nicht einfach untersuchen lässt. Zum Beispiel weisen Frauen und Männer in Bezug auf die Cortisol-Ausschüttung unterschiedliche Reaktionen auf Stress auf. Folglich wurde bei diesem Experiment versucht, die Variabilität in der Testgruppe einzuschränken.
Daraus ergab sich dann diese Leitfrage: Wie wirkt sich die progressive Muskelrelaxation auf die Cortisol-Konzentration im Speichel nach Stresssituationen bei Frauen im Alter von 17 bis 18 Jahren aus?

Methodik

Das Experiment wurde für 20 Probandinnen geplant und wurde schlussendlich mit 17 durchgeführt. Die Probandinnen wurden in die Gruppen A (n = 8) und B (n = 9) eingeteilt. Insgesamt wurden je vier Speichelproben (SP) entnommen. Die erste SP (T1) wurde einen Tag vor dem Experiment entnommen, die zweite SP (T2) wurde vor dem TSST entnommen, die dritte SP (T3) wurde nach dem TSST entnommen und die vierte SP (T4) nach der PMR bei der Gruppe A beziehungsweise nach dem Stillsitzen bei der Gruppe B. Beide Gruppen mussten zuerst den TSST durchführen, der 15 Minuten dauerte und sich aus einer Jobinterviewsimulation und einer Kopfrechenaufgabe zusammensetzte. Danach wurde bei der Gruppe A die PMR für 20 Minuten lang durchgeführt, während die Gruppe B still in einem Raum sitzen musste.

Ergebnisse

Die Auswertung der SP zeigte, dass sich die Werte T1 und T2 der beiden Gruppen nicht signifikant voneinander unterschieden. Bei der Gruppe A kam es nach dem TSST zu einem signifikanten Anstieg des Cortisol-Spiegels, während dies bei der Gruppe B nicht geschah. Nach der PMR stieg der Cortisol-Spiegel bei der Gruppe A nicht mehr weiter an, während er bei der Gruppe B nach dem Stillsitzen signifikant anstieg.

Diskussion

Das im Rahmen dieser Matura-Arbeit durchgeführte Experiment konnte zeigen, dass es durch den TSST bei der Gruppe A zu einem signifikanten Anstieg der Cortisol-Konzentration kam, was zeigt, dass der TSST die Probandinnen in eine Stresssituation gebracht hat. Die bei der Gruppe A durchgeführte PMR hatte einen Einfluss auf die Cortisol-Konzentration, wobei die PMR dazu führte, dass sich die Cortisol-Konzentration nach dem TSST nicht mehr signifikant änderte. Bei der Gruppe B kam es nach 20 Minuten Stillsitzen zu einem signifikanten Anstieg der Cortisol-Konzentration. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Cortisol-Konzentration von der PMR tatsächlich beeinflusst worden sind, was auch im Einklang mit bereits durchgeführten Studien zu diesem Thema steht. Obwohl die Probandinnen zufällig in den Gruppen verteilt waren, wiesen die Gruppen unterschiedliche Reaktionen auf den TSST auf. Dies erschwert den Vergleich der beiden Gruppen und die Interpretation der Resultate. Zudem gab es sehr grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Probandinnen, was die Aussagekraft der Resultate ebenfalls schwächt.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse der Arbeit deuten darauf hin, dass die PMR einen positiven Einfluss auf den Cortisol-Spiegel nach einer Stresssituation hat. Dies weist darauf hin, dass sich die PMR als Entspannungsmethode für Frauen im Alter von 17 und 18 Jahren eignet, um akuten Stress zu lindern.

 

 

Würdigung durch den Experten

Dr. Remo Campiche

Frau Alzbeta Vaclavkova untersuchte die Wirkung der progressiven Muskelrelaxation (PMR) auf die Stressreaktion nach dem Tier Social Stress Test (TSST) bei jungen Frauen. Als Stressmarker hat sie den Kortisolspiegel im Speichel gemessen. Frau Vaclavkova hat diese komplexe Studie detailliert geplant und ausgearbeitet, um mögliche Varianzen zwischen den Probandinnen zu minimieren und den grösstmöglichen Effekt bezüglich Stressreaktion und PMR zu erzielen. Sie führte ihre Arbeit motiviert und zielgerichtet durch. Ihre Resultate diskutierte sie kritisch und im Vergleich zur vorhandenen Literatur.

Prädikat:

gut

 

 

 

Gymnasium Oberwil
Lehrerin: Eva Hofstetter