Der Orientierungssinn eines Sommerbienenvolkes der Rassen Apis mellifera carnica x Buckfast im Oberen Fricktal

 

Biologie | Umwelt

 

Leonardo Perniola, 1999 | Kölliken, AG
Joel Reimann, 2000 | Gipf-Oberfrick, AG

 

Der Orientierungssinn von Sammelbienen der Honigbienenart Apis Mellifera wurde bereits des Öfteren untersucht. Bisher wurden aber noch keine Daten für Apis Mellifera Carnica x Buckfast Hybride, beides Rassen der Westlichen Honigbiene, erhoben. Auch wurde bei vorherigen Studien noch nie das Obere Fricktal als Versuchsstandort beprobt. Im Zentrum dieser Arbeit stand daher, anhand einer Reihe von Feldversuchen, den Orientierungssinn der Honigbienen und von welchen Faktoren dieser beeinflusst wird, genauer zu untersuchen. Dabei konnte aufgezeigt werden, dass sich Sammelbienen der untersuchten Rassen in einem primär durch die lokale Topografie und das Nahrungsangebot begrenzten Gebiet orientieren können.

Fragestellung

Das Gebiet der Nahrungssuche der Honigbienen dehnt sich mehrere Kilometer um ihren Bienenstock herum aus. Im Verhältnis zu ihrer Hirngrösse haben sie somit einen sehr guten Orientierungssinn. Dieser wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. So können sich Sammelbienen, unter anderem, anhand der Umrisse auffälliger Landschaftsmerkmale und dem Sonnenstand orientieren. In dieser Arbeit wurden 13 verschiedene Faktoren untersucht. Dabei bearbeiteten wir folgende Fragestellung: Inwiefern verändert sich die Rückflugrate von Sammelbienen der Rassen Apis Mellifera Carnica x Buckfast in Abhängigkeit der Aussetzungsdistanz und unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren in der Region Oberes Fricktal?

Methodik

In unseren Feldversuchen wurden 183 Sammelbienen in Gruppen eingeteilt und während drei Tagen an 13 verschiedenen Orten ausgesetzt. Die Sammelbienen wurden dazu, um Hirnschäden vorzubeugen, ohne Narkotisierung mit Bienenköniginnenmarkern farblich gekennzeichnet. Um die Sammelbienen unbeschädigt einfangen zu können, wurden eigens für diesen Versuch Geräte entwickelt und entsprechend modifiziert. So bauten und entwarfen wir die Behälter, in denen die Sammelbienen transportiert sowie die Geräte, mit denen sie eingefangen wurden, selbst. Die Versuchsgruppen wurden am frühen Morgen ausgesetzt. Abends, kurz nachdem die Sammelbienen aufgehört hatten zu fliegen, öffneten wir den Bienenstock, um zu zählen, wie viele der Sammelbienen jeder Gruppe ihren Weg zurückgefunden hatten.

Ergebnisse

Wir erhielten folgende Resultate: 24% aller ausgesetzten Sammelbienen sind zurückgekehrt. Dabei konnten drei relevante Korrelationen zwischen der Rückflugrate und einzelnen Faktoren festgestellt werden. Die erhaltenen r-Werte sind 0.81 für Sichtkontakt zum Bienenstock oder den Sammelbienen bekannten Gebieten, -0.77 für die Aussetzungsdistanz, sowie 0.59 für das Vorhandensein von Trachtpflanzen bei den Freilassungsorten. Die Korrelationswerte wurden nach Bravais-Pearson berechnet.

Diskussion

Je weiter entfernt eine Gruppe Sammelbienen freigelassen wurde, desto weniger kehrten zurück. Verglichen mit anderen Studien, ist die durchschnittliche Rückflugrate tief. Sie sank mehr oder weniger linear und ab einer Distanz von rund drei Kilometern kehrten nur noch vereinzelte Sammelbienen zurück. Dies könnte verschiedene Gründe haben: Ein mangelhaftes Nahrugsangebot während des Versuches oder die Erschöpfung der Tiere bieten mögliche Erklärungen. Die stärkste Korrelation wurde zwischen dem Vorhandensein von Sichtkontakt zwischen den Freilassungsorten und dem Bienenstock gefunden. Dabei spielte deren visuelle Isolierung eine entscheidende Rolle. Wenn direkter Sichtkontakt herrschte, war die Rückflugrate sehr hoch. Bei indirektem Sichtkontakt hingegen war sie deutlich tiefer. Völlig isolierte Gebiete hatten in der Regel eine Rückflugrate von 0%. Zudem ist anzunehmen, dass sich die Sammelbienen in Gebieten mit vielen Trachtpflanzen besser orientieren können, als in solchen ohne. Dabei schienen Sonnenblumen während der Durchführung des Versuches eine wichtige Nahrungsquelle gewesen zu sein. Alle anderen untersuchten Einflussfaktoren hatten, unter unseren Bedingungen, zu keinen feststellbaren Veränderungen der Rückflugrate geführt.

Schlussfolgerungen

Wir hoffen mit dieser Arbeit einen nützlichen Beitrag zur Erforschung des Orientierungssinnes der Apis Mellifera geleistet zu haben. Unsere Studie zeigt, dass sich die untersuchten Sammelbienen in einem primär durch das saisonale Nahrungsangebot und die lokale Topografie begrenzten Gebiet orientieren können. Bei einer Weiterführung wäre es wünschenswert, wenn mehr Versuchstiere untersucht würden. Durch diese Arbeit wurde uns klar, dass das Arbeiten mit Bienen sehr angenehm ist und man vor ihnen keine Angst zu haben braucht. Bienen sind wichtige Tiere und ihre Biologie zu verstehen hilft uns, diese Welt besser gestalten und effektiver schützen zu können.

 

 

Würdigung durch den Experten

Dr. Michael Eyer

Leonardo Perniola und Joel Reimann haben bei ihrer Forschungsarbeit über den Orientierungssinn der Honigbienen eine sehr aktuelle Thematik in der Verhaltensforschung mit beeindruckendem Engagement untersucht. Dabei sind sie sehr kreativ, interdisziplinär und strukturiert vorgegangen. Insbesondere die sorgfältige Interpretation der Resultate und die präzise wissenschaftliche Einordnung der komplexen Zusammenhänge unterstreichen den inspirierenden Charakter dieser Arbeit. Die systematisch durchgeführte praktische Arbeit ist vergleichbar mit dem Vorgehen etablierter Honigbieneninstitute.

Prädikat:

sehr gut

 

 

 

Alte Kantonsschule Aarau
Lehrerin: Fabia Brentano-Ackermann