Biologie | Umwelt

 

Nicola Steiner, 2000 | Pratteln, BL

 

Der in der Schweiz potenziell gefährdete Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) wird schweizweit gefördert. In der Region Basel wurde in den letzten Jahren eine Bestandszunahme in Freizeitgärten beobachtet, wodurch sich die genauere Untersuchung der Gründe dieser Umstände für eine Abschlussarbeit anbot. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Revierwahl des Gartenrotschwanzes in Freizeitgärten in Bezug auf die Vegetation wurde bislang nicht in diesem Umfang durchgeführt. Das Ziel der Arbeit war es, die Vegetationsstruktur in Gartenrotschwanzrevieren mit ähnlichen Flächen zu vergleichen, in denen sich keine Reviere befanden. Dazu wurde in 17 Gartenrotschwanzrevieren und 13 Kontrollflächen ohne Gartenrotschwanzvorkommen die Vegetation kartiert und die jeweilige Zusammensetzung der Vegetationstypen in einer untersuchten Fläche berechnet. Die Resultate zeigten, dass Gartenrotschwänze kleinparzellierte Gebiete mit mehr Bäumen, weniger Hecken oder Buschgewächsen und mehr offenen Komposthaufen bevorzugen. Diese Strukturen könnten von Freizeitgartenbesitzenden mit geringem Aufwand in ihren Gärten umgesetzt werden, wodurch sie zur Förderung der Art beitragen würden.

Fragestellung

Das Ziel dieser Forschung war der Vergleich der Vegetationstypen in Revieren des Gartenrotschwanzes mit den Vegetationstypen in Gebieten ohne Gartenrotschwanzvorkommen in den Freizeitgärten der Region Basel. Dazu wurden folgende Forschungsfragen gestellt: (I) Wie sieht die allgemeine Vegetationsverteilung der in Freizeitgärten gelegenen Gartenrotschwanzreviere aus? (II) Was sind die Vegetationsunterschiede zwischen Freizeitgärten mit Revieren und Freizeitgärten, in denen keine Gartenrotschwänze vorkommen? (III) Gibt es Unterschiede in der Kartierung der Gartenrotschwanzbestände, verglichen mit der letztjährigen Kartierung? (IV) Gibt es Gartenrotschwanz-spezifische Optimierungsmöglichkeiten bei den Artenschutzmassnahmen der Stadtgärtnerei Basel?

Methodik

Basierend auf den letztjährigen Kartierungsdaten der Revierstandorte wurden 18 Gartenrotschwanzreviere und 13 vom Gartenrotschwanz nicht besiedelte Kontrollflächen ausgewählt. Durch das Einzeichnen der Kontrollflächen, nachdem die Revierflächen bestimmt worden waren, konnten Kontrollflächen bestimmt werden, bei denen sich eine möglichst geringe Fläche mit den Revieren und eine möglichst grosse Fläche mit den Freizeitgärten überschnitt. Die Untersuchungsgebiete hatten, ausgehend vom jeweiligen Mittelpunkt, einen Radius von 50 Metern. Die letztjährigen Revierflächen wurden bei einer Nutzungskartierung als diesjähriges Revier bestätigt/widerlegt. Von den Untersuchungsgebieten wurde jeweils eine grosse Karte angefertigt, um den Vegetationsbestand der Freizeitgärten nach 26 für den Gartenrotschwanz als relevant vermuteten Parametern aufzeichnen und auswerten zu können.

Ergebnisse

Beim Vergleich der Revier- und Kontrollflächen wurden folgende signifikante Differenzen festgestellt: In Revierflächen gab es durchschnittlich 305 Quadratmeter weniger Heckenflächen, 5,2-mal mehr Bäume und viermal mehr offene Komposthaufen als in den Kontrollflächen. Allgemein wurde eine deutlich höhere durchschnittliche Anzahl an Flächen in Revieren beobachtet. Bei der Revierkartierung des Gartenrotschwanzes wurden acht Nester und zehn Sichtungen in jeweils unterschiedlichen Revierflächen gefunden bzw. beobachtet. Bei der Untersuchung des Geschlechterverhältnisses in den Revieren wurde ein Wert von 51 Prozent Männchen festgestellt.

Diskussion

Hecken scheinen für den Gartenrotschwanz bei der Revierwahl störend zu sein, während Bäume als Sitz- oder Singwarte und als Nistplatz dienen können und attraktiv für die Art erscheinen. Offene Komposthaufen stellen eine gute Futterproduktionsstätte dar. Ein erhöhtes Vorkommen der Komposthaufen scheint eine grössere Attraktivität für den Gartenrotschwanz darzustellen. Die Bedeutung der Variabilität der Flächen (= Habitatsmosaik) für die Wahl von Revieren konnte, wie auch schon in vorhergehenden Studien vermutet, bewiesen werden.

Schlussfolgerungen

Die untersuchten Flächen in den Basler Freizeitgärten scheinen anhand des Geschlechtsverhältnisses bereits jetzt gute potenzielle Revierflächen für den Gartenrotschwanz darzustellen. Es gibt jedoch Verbesserungspotenzial: Das Reglement der Stadtgärtnerei Basel könnte so angepasst werden, dass Pächter/-innen verpflichtet wären, die oben genannten Strukturen (offene Komposthaufen und mehr Bäume) in ihren Gärten einzurichten. Künftige Untersuchungen könnten sich auf das Nisthilfen-Angebot für Gartenrotschwänze oder das Prädatoren-Vorkommen fokussieren.

 

 

Würdigung durch die Expertin

Dr. Stephanie Michler

Nicola Steiner hat sich in seiner Arbeit den Habitateigenschaften von Gartenrotschwanzrevieren in Freizeitgärten angenommen, einem kleinen, aber wichtigen Lebensraum für diese Art. Vor allem in Siedlungen geht geeignetes Habitat zunehmend verloren, und mit seiner Arbeit leistet Nicola Steiner einen Beitrag zur Verbesserung der Fördermassnahmen für eine bedrohte Art. Mit grossem Engagement hat er die relevanten Habitat-Parameter kartiert und diese zwischen Revieren und Kontrollflächen verglichen. Eine solide Datenauswertung und Interpretation der Resultate prägen diese inspirierende Arbeit.

Prädikat:

sehr gut

Sonderpreis Paul Scherrer Institut – Forschung auf dem Jungfraujoch

 

 

 

Gymnasium Muttenz
Lehrerin: Dr. Christine Baader