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Timothy Lüthy, 2001 | Sissach, BL

 

Der Kalte Krieg, der sich im Zeitraum von 1945 bis 1991 einordnen lässt, gilt als dominanter Konflikt des 20. Jahrhunderts. Er führte in der Schweiz zu einer Vielzahl an Vorbereitungen für den Fall einer Eskalation. Obwohl der Konflikt vor 30 Jahren geendet hat, sind immer noch Einflüsse im heutigen Alltag bemerkbar, weshalb sich die Auseinandersetzung mit der Thematik lohnt. Die Erforschung des Themas ist zur jetzigen Zeit besonders spannend, da Verantwortliche und Mitwirkende der sogenannten Gesamtverteidigung noch persönlich darüber berichten können. Für meine Arbeit sammelte ich Aussagen von Zeitzeugen und bereitete das Thema zur Geschichtsvermittlung auf. Mithilfe selbst angefertigter Videoaufnahmen von Interviews mit Historikern und Zeitzeugen, interaktiver Elemente sowie ausführlicher Informationstexte beleuchte ich diverse Aspekte der während dieses Zeitraumes getroffenen Vorkehrungen.

Fragestellung

In meiner Arbeit gehe ich der Frage (I) Wie bereitete sich die Schweiz während des Kalten Krieges auf den Ernstfall vor? nach. Im Hinblick auf die Geschichtsvermittlung stellte sich zusätzlich eine weitere Frage: (II) Wie kann ein geschichtliches Thema auf attraktive Art einem jungen Publikum zugänglich gemacht werden?

Methodik

Für meine Arbeit betrieb ich intensive Recherche und setzte mich mit diversen Quellen auseinander. Ich forschte in verschiedenen Quellen, nämlich in der relevanten Sekundärliteratur, in Archivbeständen und in diplomatischen Dokumenten. Zudem besuchte ich Museen. Dank meiner Recherchearbeit stiess ich auf verschiedene Interviewpartner, die ich brieflich kontaktierte. Im Sommer 2020 führte ich schliesslich Interviews mit sieben Zeitzeugen, die die Schweizer Vorbereitungen während des Kalten Krieges miterlebt und mitgeprägt haben, sowie mit einer Historikerin und einem Historiker. Die Interviews hielt ich in Text- und Videoform fest. Im letzten Schritt verarbeitete ich die gewonnenen Erkenntnisse und präsentierte sie auf einer Website. Das aufgenommene Videorohmaterial, das eine ursprüngliche Länge von zehn Stunden aufwies, kürzte ich und teilte es in kurze, thematisch geordnete Clips auf. Bei der Erstellung der Website achtete ich auf eine attraktive und leserfreundliche Darstellung, die auch auf mobilen Geräten funktioniert. Zur technischen Umsetzung verwendete ich die Programmiersprachen PHP und Javascript.

Ergebnisse

Die in der Schweiz während des Kalten Krieges getroffenen Vorbereitungen waren vielfältig und fanden auf verschiedenen Ebenen statt. Erwähnenswert ist, dass angesichts der angenommenen nuklearen Bedrohung neben den Vorbereitungen der militärischen Landesverteidigung auch zahlreiche Vorkehrungen zum Schutz der Zivilbevölkerung getroffen wurden. Beispiele hierfür sind die Schaffung des Zivilschutzes als neuer Organisation, die Massnahmen der sogenannten Zivilverteidigung sowie der Schutzraumbau als Teil des baulichen Zivilschutzes. Eine Auffälligkeit, die ich sowohl bei meiner Recherche als auch im Gespräch mit den Zeitzeugen feststellen konnte, ist die hohe Bedeutung, die der Dissuasion (Abschreckung) beigemessen wurde. Das Produkt meiner Arbeit ist die Website «kalterkrieg.ch», die Einblick in die schweizerischen Vorbereitungen auf einen Ernstfall während der Zeit des Kalten Krieges gibt. Verschiedene interaktive Elemente stellen die inhaltlichen Themen auf verschiedene Weise dar. Mit den Zeitzeugengesprächen wurden neue Quellen zu dieser Thematik geschaffen und öffentlich zugänglich gemacht. Die Website ist in ihrer Vielfältigkeit und dem Ausmass an Informationsmöglichkeiten zu dieser Thematik einmalig.

Diskussion

Meine erste Leitfrage (I) Wie bereitete sich die Schweiz während des Kalten Krieges auf den Ernstfall vor? konnte ich innerhalb meiner Arbeit beantworten. Auch die Leitfrage (II) Wie kann ein geschichtliches Thema auf attraktive Art einem jungen Publikum zugänglich gemacht werden? lässt sich mit dem Produkt der Arbeit beantworten, da die interaktiven und innovativen Angebote, die Videoelemente und die sachlichen Informationstexte eine multimediale Auseinandersetzung mit der behandelten Thematik ermöglichen. Die gewählte Methode des Zeitzeugeninterviews erachte ich als wertvoll. Der Umfang und die Vielseitigkeit bereiteten allerdings auch Schwierigkeiten, da der Arbeitsprozess dadurch sehr zeitintensiv wurde.

Schlussfolgerungen

Mit der Website «kalterkrieg.ch» konnte ich die gesammelten Quellen und Informationen aufarbeiten und über das Internet der Öffentlichkeit zugänglich machen. Gerade diese leichte Zugänglichkeit und sofortige Verfügbarkeit von Informationen ist in der heutigen Zeit sehr gefragt. Ich hoffe, mit dem Produkt meiner Arbeit, der Website «kalterkrieg.ch», auch noch in kommenden Jahren Interessierte über die Schweizer Vorbereitungen zur Zeit des Kalten Krieges informieren zu können.

 

 

Würdigung durch den Experten

Dr. Gerold Ritter

Timothy Lüthy behandelt in seiner interdisziplinären Arbeit zum Kalten Krieg die Vorbereitungen der Schweiz auf einen Konfliktfall. Mit selbst geführten Videointerviews mit Zeitzeugen schafft er gleichsam seine eigenen Quellen, bettet diese in vielfältige Hintergrundinformationen ein und bereitet die Resultate in innovativer und attraktiver Weise mittels einer selbst gestalteten und programmierten Website auf. Dort entsteht durch zahlreiche Querverbindungen ein multimediales Informationsgeflecht, das zum Schmökern und Explorieren animiert und auch ein junges Publikum anzusprechen vermag.

Prädikat:

hervorragend

Sonderpreis Schweizer Jugend forscht SITF – International Forum for Scientific Youth ‹Step into the Future›

 

 

 

Gymnasium Liestal
Lehrerin: Dr. Antonia Schmidlin