Erste Eindrücke 

Als mir im April der Sonderpreis «Luxembourg International Science Expo (LISE)» übergeben wurde, konnte ich noch gar nicht erahnen, wie viel während dieses Aufenthaltes lernen würde. 

An einem grauen Novembermorgen bin ich in Zürich allein ins Flugzeug gestiegen. Die Reise verlief reibungslos, doch fehlte mir jemand, mit dem ich meine Gedanken austauschen konnte. Als ich nach knapp zwei Stunden vor unserem Hotel in Luxemburg stand, wurde ich sogleich von einer Helferin freundlich begrüsst. Obschon wir uns zunächst auf Englisch unterhielten, erschien es uns bald lustiger, wenn sie auf Lëtzebuergesch und ich auf Schweizerdeutsch sprechen würde. Und tatsächlich, wir verstanden uns! Die erste kulturelle Erfahrung war gemacht. 



Kultureller Austausch 

Der Aufenthalt sollte fünf Tage dauern. Während zwei Tagen präsentierten wir unsere Arbeiten, die übrigen drei waren Aktivitäten vorbehalten, die für uns organisiert worden waren, um die Stadt und unsere Mitstreiter besser kennenzulernen. Wir haben kegelt, die Innenstadt besichtigt, das kilometerlange Tunnelsystem erkundet, im Museum des Europaparlaments die europäischen Institutionen kennengelernt und schliesslich eine Kunstsammlung besucht. 

Meine Leidenschaft gilt der Politik. Ich finde es spannend, verschiedene Verfassungsmodelle zu vergleichen und ihre jeweiligen Stärken und Schwächen herauszuarbeiten. Und wo könnte ich dies besser tun als an einem internationalen Event, wo Vertreter unterschiedlichster Länder anwesend sind? Oft haben wir in den Pausen über die Bildungspolitik sowie über Möglichkeiten politischer Partizipation in unseren Heimatstaaten diskutiert.  



Begegnungen und Diskussionen anlässlich der Expo 

Die Ausstellung unserer Projekte ähnelte dem Finale des Nationalen Wettbewerbs an der ETH Zürich. Jedem Teilnehmer standen ein Tisch und eine Plakatwand zur Verfügung, wo er sein Projekt der Öffentlichkeit präsentieren konnte.  Für die Besucher meines Standes habe ich diverse Aussagen zur politischen Philosophie und zur aktuellen Tagespolitik vorbereitet, die mit grünen Stickern befürwortet bzw. mit roten abgelehnt werden konnten. In einer Welt, wo autoritäre Regierungsweisen zunehmend an Einfluss gewinnen, war es mir sehr wichtig, die Bedeutung der Demokratie aufzuzeigen. Der politische Bürger muss sich bewusst sein, dass ihm seine hart erworbene Freiheit auch wieder genommen werden kann. Deshalb muss er fähig sein, mit der Kraft seines Verstandes autokratische Herrscher zu delegitimieren. Salamonio liefert in seinem Dialog «De principatu» starke Argumente für die Freiheit des Einzelnen und für die Volkssouveränität. Diese wollte ich meinen Gesprächspartnern in vielschichtigen Diskussionen weitergeben. 

Zahlreiche Schulklassen haben die Expo in diesen zwei Tagen besichtigt. Eine ganz besondere Ehre war es jedoch, als der Premierminister von Luxemburg, Luc Frieden, die LISE besuchte und sich mit mir über mein Projekt unterhielt. Dies gilt umso mehr, als sich meine Arbeit an politische Leitungsorgane richtet und die Merkmale gerechter Herrschaft erörtert. Auch dem Schweizer Botschafter Benno Laggner durfte ich meine Arbeit präsentieren, der mir an der Abschlusszeremonie mein Diplom überreichte. 



Eine weltweite Wissenschaftsgemeinschaft 

An der LISE habe ich Leute verschiedenster Nationen kennengelernt. Dieser Austausch war bereichernd und wird mir in Erinnerung bleiben. Und auch wenn sich unsere kulturellen Hintergründe unterscheiden, verbindet uns alle dasselbe Ziel: Will wollen als Teil der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft die Grenzen menschlichen Vermögens erweitern. Die internationale Zusammenarbeit ist dabei unerlässlich. Umso wertvoller erscheinen daher Freundschaften, aus denen zukünftig kluge Projekte erwachsen können. 

Mein Dank gilt der Gamil Stiftung, der Fondation Jeunes Scientifiques Luxembourg und der Stiftung Schweizer Jugend forscht, die mir diese Reise ermöglicht haben.