«Der Sonderpreis ermöglicht die Teilnahme an der Wissenschaftsmesse Mostratec in Novo Hamburgo. Das tönt nicht nach Hamburg, sondern nach Brasilien!» Mit diesen Worten erfuhr ich, dass ich nach Südamerika reisen würde. Ich war sehr aufgeregt, da ich noch nie dort gewesen war. Zugleich konnte ich es kaum glauben, die Möglichkeit zu bekommen, meine Arbeit an einer internationalen Messe vorstellen zu dürfen.
Für die Anmeldung bei Mostratec mussten viele Formulare ausgefüllt und Dokumente hochgeladen werden. Nachdem ich gepackt und noch schnell ein Datenpaket für Brasilien gekauft hatte, wobei mir klar wurde, dass ich wirklich bald dort sein würde, ging es los zum Flughafen.
Im Flughafen angekommen, traf ich beim Security Check auch schon auf Georg, der denselben Preis gewonnen hatte und mit dem ich nun die nächsten 24 Stunden unterwegs sein würde. Glücklicherweise haben wir uns auf Anhieb gut verstanden, und so war ich sogleich beruhigter, da ich wusste, ich würde die weite Reise nicht allein machen müssen.
Eine Erfahrung, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war das Probieren von Chimarrão, einem traditionellen Matetee, welchen mir die Übersetzer:innen mitgebracht hatten. Im Gegenzug durften sie den El Tony Mate probieren, den Georg aus der Schweiz mitgebracht hatte. Das Gegenüberstellen der beiden Matevarianten und die vielen unterschiedlichen Reaktionen beim Probieren machten die ganze Situation zu einem schönen Erlebnis für alle Beteiligten.


Während der Woche wollte ich den Besuchenden meine Arbeit näherbringen und ihnen aufzeigen, dass antike griechische Tempel entgegen der allgemeinen Meinung nicht farblos, sondern bemalt waren. Auch war mir sehr wichtig, viele neue Kontakte zu knüpfen und mehr über die brasilianische Kultur zu erfahren.
Mein gesamter Aufenthalt bestand darin, neue Menschen kennenzulernen. Ich bin mit vielen Besuchenden in angeregte Gespräche gekommen, doch besonders erwähnenswert sind die Übersetzer:innen, die uns zur Verfügung gestellt wurden. Sie haben das Präsentieren meiner Arbeit vor den Besuchenden, die kein Englisch sprachen, überhaupt ermöglicht. In kurzen Verschnaufpausen habe ich mich meist mit ihnen unterhalten und durch sie auch viel über die brasilianische Kultur gelernt. Einige haben mir sogar traditionelle brasilianische Getränke und Esswaren mitgebracht, sodass ich diese probieren konnte. Ihre hilfsbereite und zuvorkommende Art hat mich sehr inspiriert, und am Ende der Woche waren einige von ihnen für mich zu Freund:innen geworden.
Natürlich brachte diese Woche auch Schwierigkeiten mit sich. Hauptsächlich hatte ich Probleme mit der Verständigung, da nur sehr wenige Menschen gut Englisch sprachen. So gab es viele Koordinator:innen und Expert:innen, mit denen ich nur mithilfe eines Übersetzers oder einer Übersetzerin reden konnte.
Besonders am ersten Tag, als Georg und mir noch nicht klar war, dass Übersetzer:innen verfügbar waren, herrschte von der Anmeldung bis zum Aufbau unseres Standes ein chaotisches Durcheinander. Glücklicherweise waren aber alle Menschen, ob wir uns mit ihnen verständigen konnten oder nicht, sehr freundlich und hilfsbereit.
Der Donnerstagmorgen stand uns zur freien Verfügung, weshalb wir die Gelegenheit nutzten, Novo Hamburgo näher kennenzulernen. Dabei ist das Stadtbild noch einmal ganz anders als das, welches ich gewohnt bin. Besonders die Stromleitungen, die nicht unterirdisch verlegt sind, sondern über der Erde an Masten verlaufen, sind mir sofort ins Auge gefallen. Auch die üppige Begrünung überraschte mich. Überall in der Stadt wuchsen Pflanzen kreuz und quer, teilweise rankten sie sich sogar an den Hauswänden hinauf. Dieses Detail hat mir persönlich sehr gut gefallen.


Etwas Unvorhergesehenes, das während meines Aufenthalts passiert ist, war, dass mich ein Journalist, welcher einen Artikel über die Messe Mostratec schreiben sollte, zu meiner Arbeit befragte und sie schliesslich in seinen Beitrag aufnahm. Das hatte ich nicht erwartet, doch es freute mich sehr, seinen Artikel zu lesen, nachdem ich diesen aus dem Portugiesischen ins Deutsche übersetzt hatte.
Die Messe selbst drehte sich hauptsächlich um das Vorstellen meiner Arbeit. Viele der Besuchenden waren Schüler:innen, die für ihren Englischunterricht die internationalen Teilnehmenden interviewen sollten. Darüber hinaus gab es natürlich noch die Expert:innen, denen man seine Arbeit präsentieren durfte. In beiden Fällen wurde ich stets von einem Übersetzer oder einer Übersetzerin unterstützt. Am Ende eines langen Tages, die Messe dauerte immer bis 21 Uhr, war man natürlich erschöpft, besonders wenn man mit so vielen Menschen gesprochen hatte. Dennoch war ich abends immer glücklich, da das Ausstellen und Präsentieren meiner Arbeit mir viel Freude bereitet hat.
Obwohl ich mich anfangs an die Situation, eine solche Sprachbarriere zu haben, gewöhnen musste, ermöglichten es mir die Übersetzer:innen, mich dennoch mit den Besucher:innen zu verständigen. Sie brachten mir sogar einige wichtige Begriffe bei, was mich sehr gefreut hat.
Die Woche bei Mostratec hat all meine Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen.
Ich hatte die Gelegenheit, viele interessante Menschen zu treffen, spannende Gespräche zu führen und sogar einige Freundschaften zu schliessen. Auch die Erfahrung, einer so starken Sprachbarriere gegenüberzustehen und diese dennoch irgendwie zu überwinden, war für mich sehr bereichernd. Durch den Kontakt zu den Übersetzer:innen und den kulturellen Austausch mit ihnen hatte ich das Gefühl, Brasilien nochmal ganz anders kennenzulernen, als wenn ich es nur als Touristin besucht hätte.
Zusammenfassend kehre ich mit unvergesslichen Erinnerungen nach Hause zurück und bin sehr dankbar, die Möglichkeit zu dieser Reise erhalten zu haben.