Als die Sonderpreise bei Schweizer Jugend forscht verliehen wurden, rechnete ich eigentlich mit einem anderen Preis. Zuvor hatte ich lange mit Vertretern der Swiss Water Partnership gesprochen und war ziemlich sicher, dass ich darüber nach Stockholm reisen würde. Als mein Name nicht aufgerufen wurde, war ich erst enttäuscht und dachte mir, dass die Goldmedaille ja schon eine ausreichende Auszeichnung sei. Umso überraschender war es, als kurz darauf plötzlich mein Name für die Teilnahme an der Genius Olympiad aufgerufen wurde. Ich war so perplex, dass ich erst auf Aufforderung des Fotografen aufstand. Von der Genius Olympiad selbst wusste ich damals kaum etwas, der Name sagte mir wenig.

Bis zur Abreise blieben mir nur etwa drei Wochen, in denen ich nicht nur meine Arbeit übersetzen und vorbereiten musste, sondern mich gleichzeitig auch auf die schriftliche Matur vorbereitete. Trotz dieses engen Zeitplans reiste ich mit einer eher lockeren Haltung los und mit dem Wunsch, eher die Menschen aus aller Welt kennenzulernen als einen weiteren Preis zu gewinnen. Da die zweite Schweizer Teilnehmerin wegen ihrer Prüfungen nicht mitkommen konnte, reiste ich allein. Während des Zwischenstopps in Philadelphia fühlte ich mich sofort in Kindheitserinnerungen zurückversetzt, denn ich bin in den USA aufgewachsen und vieles wirkte noch immer ähnlich wie damals. Die Schilder, die Strassen – vieles fühlte sich vertraut an, obwohl ich viele Jahre nicht mehr dort gewesen war.  

Der Campus der St. John Fisher University, wo die Genius Olympiad stattfand, war im Vergleich zu Schweizer Hochschulen riesig und die vielen Sportanlagen erinnerten an amerikanische Filme. Ich war beeindruckt, wie offen und freundlich die Menschen miteinander umgingen. Besonders in Erinnerung geblieben ist der Tag, an dem wir unsere Projektstände aufbauten. Alle waren etwas nervös, aber es herrschte dennoch eine sehr offene Atmosphäre. Man besuchte sich gegenseitig an den Ständen, erklärte die eigenen Projekte und staunte, mit wie viel Begeisterung Jugendliche aus so unterschiedlichen Kulturen dieselbe Leidenschaft für Wissenschaft und Forschung teilen. Diese gemeinsame Neugier machte es leicht, ins Gespräch zu kommen. Ein weiteres Highlight war der internationale Kulturabend, bei dem jede Delegation Spezialitäten oder kleine Geschenke aus dem Heimatland mitbrachte. Ich teilte Schweizer Schokolade und Basler Leckereien und durfte im Gegenzug viele andere Kulturen kennenlernen. Besonders eindrücklich war auch der gemeinsame Ausflug zu den Niagarafällen, bei dem ich während der Fahrt ein längeres Gespräch mit eine amerikanische Betreuerin führte über die Unterschiede zwischen den USA und der Schweiz. Das liess mich erkennen, wie privilegiert wir in der Schweiz leben und wie dankbar ich dafür bin. Da unmittelbar nach meiner Rückkehr die mündlichen Maturaprüfungen anstanden, nutzte ich jede freie Minute während der Reise zur Vorbereitung und zum Lesen.  

Als schliesslich bei der Preisverleihung mein Name für die Silbermedaille aufgerufen wurde, war ich erneut überrascht, da ich aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit und der Ausrichtung meines Projekts nicht mit einer Auszeichnung gerechnet hatte. Noch wichtiger als die Medaille sind für mich aber die Begegnungen, Gespräche und Freundschaften, die in dieser Woche entstanden sind. Die Reise hat mir gezeigt, dass Wissenschaft Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen verbinden kann – und genau dieses Gemeinschaftsgefühl wird mir unvergesslich bleiben.