Beschreibe den Moment, in dem du den Sonderpreis erhalten hast. Wie hast du dich gefühlt? Es war überraschend. Ich habe kaum erwartet, dass meine Arbeit eine so hohe Auszeichnung erhält, doch durch einen unglaublichen Zufall bekam ich einen Sonderpreis.
Wie hast du dich auf deine Reise/dein Praktikum/Anlass vorbereitet? Ich wollte schon immer ausprobieren, Chinesisch zu lernen, und angesichts der Tatsache, dass ich nach Taiwan gehen durfte, habe ich ein halbes Jahr lang Chinesischkurs an der Uni gemacht.
Wer war die erste Person, die du während deiner Reise/deines Praktikums getroffen hast? Wie hat dich dieser Moment beeindruckt? Mein Teammate Eduardo, den ich schon während des Nationalen Wettbewerbs kennengelernt habe. Doch erst während dieser Reise konnte ich ihn wirklich kennenlernen.
Gibt es eine ungewöhnliche Anekdote, die du uns erzählen möchtest? Unsere ganze Reise war voll von lustigen Momenten und es ist ziemlich schwer, einen bestimmten herauszugreifen. Wir haben uns auf unserem über 15-stündigen Flug grossartig amüsiert, und nach unserer Ankunft in Taiwan war jedes neue Kennenlernen von Einheimischen von Spass und vielen Lächeln begleitet. Die Projektpräsentation kam uns etwas langatmig vor, aber selbst in dieser Situation fanden wir einen lustigen Weg, uns die Zeit zu vertreiben. An einem der Präsentationstage tauschten Eduardo und ich für kurze Zeit unsere Projekte: Ich präsentierte sein Projekt, während er meines vorstellte. Die meisten Zuhörenden haben tatsächlich geglaubt, dass es unsere eigenen Projekte waren! :)


Was also war die Mission, die du während deines Aufenthalts erreichen wolltest? Was hast du getan, um sie zu erreichen? Seit ich von diesem Sonderpreis erfahren hatte, hatte ich Zeit, darüber nachzudenken, was genau ich auf dieser Insel machen möchte. Und ich habe meine Ziele oft leicht geändert. Aber der letzte Monat vor der Reise hat im Grunde das Format dieser Reise bestimmt, da es der Prüfungsmonat an der ETH war und die Reise direkt am Tag nach meiner letzten Prüfung stattfand. So reduzierten sich all meine Ziele darauf, mich einfach auszuruhen und so viel Spass wie möglich zu haben. Ein unglaubliches Glück war es, dass Eduardo den gesamten Vormonat im Militärdienst verbracht hatte, sodass er, genau wie ich, einfach nur entspannen und die Zeit in Taiwan geniessen wollte.
Welchen spannenden, inspirierenden und besonderen Menschen hast du getroffen? Wie schon oben beschrieben, habe ich eine Menge Leute getroffen, die ich interessant fand: Teilnehmende aus anderen Ländern, Teilnehmende aus Taiwan, Schüler, die bei der Organisation des Wettbewerbs halfen. Aber die meiste lustige Zeit habe ich zweifellos mit meinem Teammate Eduardo verbracht. Wir sind abends zusammen ins Zentrum spazieren gegangen, haben uns zusammen lustige Ideen und Witze ausgedacht und hatten in dieser Woche insgesamt eine sehr gute Zeit. Leider musste Eduardo direkt nach Ende des Wettbewerbs abreisen. Ich blieb jedoch noch eine Woche länger, um Taiwan besser zu erkunden und meine Ferien einfach etwas länger zu geniessen. In dieser Woche habe ich Xinning, Zichen und Dustin kennengelernt, mit denen ich fast die gesamte nächste Woche verbracht habe. Sie haben mir sehr viele interessante Orte in Taiwan gezeigt, wir haben ungewöhnliches lokales Essen probiert, sind in Amusement Parks gegangen und haben sogar die lokale Universität besucht, an der sie studieren.
Wer war dein Gegner? I had no enemies. Es war wirklich eine Reise, die ich geniessen konnte. Ich machte mir keine Sorgen wegen meiner Prüfungen und war auch nicht nervös wegen des Wettbewerbs. Es war meine erste Reise nach Asien, und ich kann Freude, die ich auf dem Weg dorthin hatte, nicht in Worte fassen. Wenn ich normalerweise reise, reise ich wegen des Ortes. Wenn ich nach Rom fahre, möchte ich das Kolosseum, das Pantheon und die restlichen Sehenswürdigkeiten sehen. Was diese Reise massgeblich von anderen unterschied, waren die Menschen. Es war für mich viel faszinierender, auf der Strasse stehen zu bleiben, um mit Einheimischen zu plaudern, als auf dieser Reise noch einen Tempel mehr zu sehen. Das Wettbewerbsformat hat diesen Effekt nur noch verstärkt: Beim Wettbewerb waren wirklich viele verschiedene Nationalitäten vertreten, und wir konnten fast mit allen von ihnen sprechen. Es war unglaublich spannend, die Diversität von dieser Veranstaltung zu spüren, und das Wichtigste war, dass die meisten Teilnehmenden sehr open-minded waren. Der grösste Feind auf dieser Reise wäre es also gewesen, diese Gelegenheit zu verpassen, mit so vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen zu kommunizieren und nicht eine Tonne Spass dabei zu haben.
Beschreibe den Ort, an dem dein Abenteuer stattfand. Warst du zum ersten Mal in dieser Stadt? Wenn ja, wie waren deine Eindrücke? Wenn nicht, was ist diesmal anders? Taiwan ist dreimal kleiner als die Schweiz, hat aber dreimal so viele Einwohner. Die Entstehung von Megalopolen ist unvermeidlich, und Taipeh erfüllt diese Funktion. In der Stadt gibt es sehr viele Hochhäuser, grosse Geschäfte, kleine Läden und Unternehmen, und all das drängt sich auf einem ziemlich kleinen Gebiet Taipehs zusammen. Die Stadt ist ziemlich «walkable», aber für die Bequemlichkeit gibt es natürlich die Metro mit einer Menge verschiedener Linien. Bei all dem trifft man innerhalb der Stadt sehr oft auf grüne Parks, Alleen und kleine Plätze sowie eine Menge Parkanlagen, wie zum Beispiel Rollschuhbahnen, Trainingsplätze und so weiter.


Ist während deines Aufenthalts etwas Unvorhergesehenes passiert? Der Wettbewerb unterschied sich im Format ziemlich stark von dem, was Eduardo und ich beim SJF-Finale erlebt hatten. Einen Grossteil der Zeit verbrachten wir auf Ausflügen in andere Städte, wir besuchten das TSMC-Museum, zahlreiche Night Markets und viele andere Events. Aber an einem Tag musste die Jury unsere Stände überprüfen, um sicherzustellen, dass unsere Plakate alle Regeln einhalten. Wir kamen im Wissenschaftszentrum an, wo der Wettbewerb stattfinden sollte, und begannen, unsere Plakate aufzuhängen. Eduardo und ich wollten das schnell hinter uns bringen, die Kontrolle bestehen und dann unsere freie Zeit irgendwo in der Stadt verbringen. Aber wie sich herausstellte, reichte es nicht, die Plakate einfach nur aufzuhängen. Aus irgendeinem Grund besagten die Regeln, dass wir keine Links und QR-Codes auf unseren Plakaten verwenden durften. Das war der erste Haken, mit dem ich umgehen musste, ich habe diese Stellen einfach mit Papier überklebt. Dann stellte sich heraus, dass die Prüfer laut den Regeln auch alle elektronischen Geräte inspizieren mussten, die während des Wettbewerbs verwendet werden sollten. Sie mussten mit speziellen Stickern versehen werden. Das wussten Eduardo und ich natürlich nicht und hatten unsere Laptops nicht dabei. Ohne lange zu überlegen, beschlossen wir, diese Regel etwas zu umgehen: Wir baten um Sticker für unsere Handys und klebten sie am Abend einfach heimlich auf unsere Laptops um 🤫. Den wahren Grund für diese strenge Regel haben wir übrigens nie erfahren :/.
Musstest du deine Arbeit vor einem Publikum präsentieren oder sonst einen aktiven Beitrag leisten, wie hast du dich dabei gefühlt? Trotz dieser sehr gründlichen Vorabkontrolle des Projekts dauerte die eigentliche Präsentation vor der Jury insgesamt nur 15 Minuten. Nacheinander kamen zwei Paare von jeweils zwei Experten zu uns, und das war's auch schon. Am nächsten Tag präsentierten wir das Projekt noch vor dem öffentlichen Publikum. Aber nach meiner persönlichen Meinung war das SJf-Finale in diesem Aspekt deutlich spannender.
Wenn du an deine Vorbereitungen zurückdenkst: Was hättest du gerne vorher/früher gewusst? Welche Informationen hätten dir die Vorbereitungen oder deinen Aufenthalt erleichtert? Normalerweise bereite ich meine Reden nicht strikt vor, und auch dieses Mal habe ich darauf verzichtet. Ich dachte, dass uns, genau wie beim SJF, mehr als zehn Experten bewerten würden. Mein eigentlicher Plan war es, meine Präsentation während der ersten Gespräche zu «refinen» und anzupassen. Dieser Plan ist komplett gescheitert, da ich letztendlich nur zweimal vor der Jury präsentieren musste. Wahrscheinlich wäre es eine gute Idee gewesen, sich auf diesen kurzen Bewertungsschritt doch ein wenig vorzubereiten. Da diese Präsentationen aber insgesamt nur 15 Minuten dauerten, bin ich im Nachhinein eigentlich sehr froh darüber, dass ich den Abend davor damit verbracht habe, mir die Stadt anzusehen, anstatt stur einen Text für die Experten auswendig zu lernen.
Wie hast du diese Herausforderung gemeistert? Welchen Plan hast du geschmiedet und wie lautet die Auflösung deiner Geschichte? Mein Masterplan lautete schliesslich: den Moment leben! Da der offizielle und stressige Teil so schnell vorbei war, konnte ich mich voll und ganz auf das konzentrieren, was diese Reise so besonders machte. Ich habe die kulinarische Vielfalt Taiwans in vollen Zügen genossen. Von den unglaublich leckeren und verrückten Snacks auf den Night Markets bis hin zu exotischen lokalen Gerichten, die ich vorher noch nie probiert hatte. Ich habe mir keine weiteren Sorgen um den Wettbewerb gemacht, sondern mich einfach von der Atmosphäre treiben lassen und eine rundum fantastische und lustige Zeit verbracht. Genau das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
Was sind deine «Gewinne», was hast du aus dieser Erfahrung gelernt? Mein grösster Gewinn sind definitiv die Emotionen und Erinnerungen, die ich aus dieser Reise mitnehme. Es war der perfekte «Reboot» zwischen den strengen Semestern an der ETH. Ich konnte meinen Kopf komplett frei machen und mit neuer Energie ins Studium zurückkehren. Darüber hinaus hat mir diese Erfahrung einen riesigen Motivationsschub gegeben, weiterhin Chinesisch zu lernen.


Was war der erste Austausch während deiner Reise/deines Praktikums? Die Atmosphäre war unglaublich. Vom Moment unserer abendlichen Ankunft im Hotel bis zum allerletzten Tag hatten wir nie das Gefühl, dass uns dieses Land langweilt. Am allerersten Tag trafen wir sehr viele High-School-Schüler, die bei der Durchführung dieses Wettbewerbs halfen. Sie zeigten uns freundlicherweise die Gegend, und kaum waren wir 10 Meter gelaufen, trafen wir schon einen einheimischen Mann, der sich unterhalten wollte, was wir mit grosser Freude taten. Danach führten sie uns zur Hauptsehenswürdigkeit: dem Taipei 101. Ungefähr so verlief unser erster Tag, mit sehr viel Kommunikation und der Freude, dass wir uns endlich ausruhen können.
Wegen der Zeitverschiebung durch den Flug gingen wir recht früh schlafen. Am nächsten Tag wachte ich um 5 Uhr morgens auf. Da es nicht viel zu tun gab, Eduardo noch schlief und es noch ganze zwei Stunden bis zum Frühstück waren, beschloss ich, einen Spaziergang in der Nachbarschaft zu machen. Ich ging in einen 24-Stunden-Laden, kaufte mir einen kleinen Snack und ging dann in Richtung eines Parks. Das war der friedlichste Spaziergang, den ich je in meinem Leben gemacht habe. Ein Wochenendtag, kein einziges Auto auf der 8-spurigen Strasse, kein einziger Mensch kommt dir entgegen, nur du und die riesige Metropole.
Das wichtigste Gespräch während deines Aufenthalts? Es gab unzählige Dialoge und Begegnungen, und alle waren auf ihre eigene Art und Weise wichtig und bereichernd. Daher fände ich es unpassend, hier ein einziges Gespräch als das wichtigste herauszugreifen.
Hast du eine Expertin/einen Experten getroffen, die oder der dir etwas Wichtiges mit auf den Weg gegeben hat? Zusammen mit der japanischen Delegation war auch der Organisator des nationalen japanischen Wissenschaftswettbewerbs nach Taiwan gereist. Mit ihm durfte ich unglaublich spannende Gespräche führen. Wir sprachen über seine Forschungen, verglichen die Bildungssysteme in Japan und der Schweiz und diskutierten über viele verschiedene Themen des Lebens. Es hat mich wirklich tief beeindruckt, dass ein Universitätsprofessor derart offenherzig (open-hearted) und nahbar sein kann.

