Gestaltung | Architektur | Künste

 

Sofia Hintermann, 2000 | Zürich, ZH

 

Das Lied «I’m That Guy» von Agar Agar handelt, laut meiner Interpretation, von einer aufgewühlten, verwirrten Figur. Erzählerisch werden ihre Gefühlszustände beschrieben. Melancholie, Traurigkeit, unerwiderte Liebe, Gefühlskälte, Eifersucht und Gefühlsüberflutung sind einige der Gefühle, die die Figur im Lied fühlt. Der Liedrhythmus wirkt vorantreibend, innerlich verheddert sich die Figur jedoch in ihrer Gefühlswelt, die sie mehr und mehr verwirrt. Sie sucht Liebe und möchte Liebe geben. Gleichzeitig ist sie müde vom Fühlen und dem damit verbundenen Verletzt-Werden. Der Zwiespalt zwischen Empfindung und Abgestumpftheit ist ein zentrales Motiv des Liedes, das ich bildnerisch dargestellt habe.

Fragestellung

Zu Beginn meines Arbeitsprozesses zog ich in eine Art Comic oder Wimmelbild in Erwägung, um die verschiedenen Zustände und Gefühle der Erzählstimme darzustellen. Zeichnerisch kann ich eine grosse Vielfalt an Details darstellen, malerisch finde ich Ausdruck für Stimmungen und Gefühle, da ich eine unendliche Farbpalette habe. Ich versuchte, Malen und Zeichnen in einem Bild zu kombinieren. Das Ergebnis war für mich jedoch ein Kompromiss und Ausdruck für mein Nicht-entscheiden-Wollen zwischen den beiden Techniken. Schlussendlich war für mich das Ausdrücken der Stimmungen und Gefühle im Lied «I’m That Guy» zentral, weshalb ich mich für eine malerische Umsetzung entschied. Mit Ölfarbe kann ich Farbtöne gezielt einsetzen und mit lasierendem oder tupfendem Pinselstich verschiedene Strukturen ins Bild bringen. Indem ich die gleiche Figur mehrmals gemalt habe, wollte ich mit den einzelnen Figuren einen Ausdruck für die verschiedenen Gefühlszustände der Figur finden.

Methodik

In meinem Bild war mir die düstere Stimmung des Bildinhaltes, die durch eine kontrastreiche Farbigkeit und Humor gebrochen wird, wichtig. Hierfür liess ich mich von drei Künstlern und Künstlerinnen inspirieren. Otto Dix’ Porträt der Journalistin Sylvia von Harden beeindruckt mich sehr, weil die Journalistin für mich gleichzeitig einen düsteren, verbrauchten, aber auch lebensfrohen Ausdruck hat. Inspiriert davon suchte ich eine Darstellungsform für die teils widersprüchlichen Gefühle, beispielsweise Gefühlskälte und Eifersucht oder Traurigkeit. Der Widerspruch und die Mehrdeutigkeit, die Teil des Liedes und der Geschichte sind, wollte ich darstellen, indem ich ausdruckslose Gesichter gemalt habe und mit einer lebendigen, intensiven Farbigkeit ein Gegengewicht dazu gegeben habe. Die Ausgelaugtheit der Figur stellte ich mit ihrem schlaksigen Körper dar. Edward Hoppers Bilder zeichnen sich durch ihren klaren Lichteinfall aus, wodurch kontrastreiche Bilder entstehen. Hoppers Umgang mit Licht war mir ein Vorbild. Das Licht ist ein wichtiges Element im Bild für mich. In meiner Liedinterpretation durchwandert die Figur eine dunkle, düstere Welt, wobei diese Düsterheit stets von Lichtblicken unterbrochen wird. Ich nehme das Lied nicht bloss als traurig und düster war, sondern ebenso als anregend, lustig und lebendig. Anna Sommer erzählt in ihrem Buch «Damen Dramen» humorvoll von grausamen, grotesken Geschichten, die die Frauen erleben. Fasziniert von Anna Sommer, wollte ich mit dem Hundecoiffeur Humor ins Bild bringen und die Ernsthaftigkeit brechen.

Ergebnisse

Ich hatte als Grundlage zahlreiche Zeichnungen, die verschiedene Szenen im Lied darstellten. Diese wollte ich zu einem Bild verbinden. Angelehnt an die Idee eines Comics, der eine Geschichte linear erzählt, skizzierte ich ein Bild, das ebenfalls eine Geschichte erzählt, aber kreuz und quer gelesen werden kann. Von einem Comic ausgehend, zeichnete ich einen Kasten um die Figur, im linken oberen Bildteil. Die Strasse, ebenso wie die Figur gehen über die Grenzen des Kastens hinaus, da alles simultan geschieht.

Diskussion

In Heftform wird eine Handlung schrittweise erzählt, während die Handlung bei einem Bild auf einen Blick ersichtlich wird. Die Verwirrung der Figur wird durch mehrere gleichzeitig ablaufende Handlungen deutlich. Die Betrachter*innen meines Bildes können ihren Blick schweifen lassen und sich ihren eigenen Ablauf der Liedhandlung vorstellen.

Schlussfolgerungen

Meiner Ansicht nach funktioniert die Übersetzung der Liedtexte von Agar Agar als Bild besser als in Form von Heften. Die widersprüchlichen, komplexen Gefühlszustände werden bei einem Bild simultan auf einen Blick ersichtlich.

 

 

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Zoé Hall

Mit dieser Arbeit gelingt Sofia Hintermann der mediale Transfer des Musikstücks «I’m that guy» von Agar Agar in die Malerei. Das Narrativ des Liedes wird aus dem auf Zeit basierenden Medium der Musik in das bildliche Medium transferiert, in dem das Geschehen simultan wahrgenommen werden kann. Mit diesem Kunstgriff gelingt in der malerischen Umsetzung die Darstellung des verträumten Charakters der Hauptfigur der Handlung. Im Bild wird die verworrene Gefühlswelt der Protagonistin vermittelt und auf eine überraschende Weise für die Betrachter*innen erlebbar gemacht.

Prädikat:

sehr gut

 

 

 

Gymnasium Unterstrass, Zürich
Lehrerin: Silvia Pietz