Geschichte | Geographie | Wirtschaft | Gesellschaft

 

Ruben Fein, 2002 | Adliswil, ZH

 

Lernen ist ein Urbedürfnis des Menschen. Studien zeigen jedoch, dass die Lernmotivation Jugendlicher abnimmt. Deshalb die Forschungsfrage: Welche Kriterien beeinflussen die Motivation von Schülern und Schülerinnen im (Deutsch-) Unterricht auf der Gymnasialstufe? Der theoretische Teil bietet eine Übersicht der strukturell- und psychologisch-motivierenden Faktoren; eine Umfrage dazu an der Atelierschule und deren Auswertung ergaben 24 Kriterien für einen motivierenden Unterricht. Ergebnis daraus ist ein «mehrdimensional motivierendes Unterrichtskonzept», das Ansätze von Rudolf Steiner und Johann Heinrich Pestalozzi mit Erkenntnissen aus der modernen Psychologie und Pädagogik verbindet. Im praktischen Teil wurde dieses Konzept in sechs Lektionen im Fach Deutsch umgesetzt, überprüft und ein messbarer Motivationsanstieg nachgewiesen. Die Möglichkeiten zur Umsetzung im strukturierten Schulalltag wurden mit einem Mitglied der Schulleitung besprochen und Lehrpersonen gefunden, die Aspekte des neuen Konzepts im kommenden Schuljahr 2021/22 an der Atelierschule Zürich umsetzen werden.

Fragestellung

(I) Welche Kriterien beeinflussen die Motivation von Schülern und Schülerinnen im (Deutsch-) Unterricht auf der Gymnasialstufe?

Methodik

Die Fragestellung liess sich aus zwei Perspektiven beantworten: Durch Fachbücher und Gespräche mit Pädagogen und Pädagoginnen und durch eine erste umfangreiche Umfrage bei Schülern und Schülerinnen der Atelierschule Zürich. Die aus meiner Sicht wichtigsten motivationsfördernden Aspekte unterteilte ich in strukturell- und psychologisch-motivierende Kriterien. Auf der Basis dieser theoretischen Erkenntnisse entwarf ich zur Überprüfung der Kriterien ein Konzept für einen motivierenden Unterricht: Sechs Deutschlektionen à jeweils 50 Minuten zum Buch «Vom Verschwinden der Rituale» von Byung-Chul Han. Dazu notierte ich akribisch, was ich vorbereitete, was ich tat, was ich erlebte und setzte zur Überprüfung bei den Schülern und Schülerinnen verschiedene Feedback- und Prüfungsformen ein.

Ergebnisse

Das Fazit des theoretischen Teils bilden 24 Anregungen zur Gestaltung eines motivierenden Unterrichts. Die verschiedenen Befragungen vor, während und nach meinem Unterricht ergaben ein erfreuliches Resultat: Die Motivation der beteiligten Schüler*innen stieg messbar während der sechs Deutschlektionen. Das weiterführende Produkt daraus war ein «mehrdimensional motivierendes Unterrichtskonzept». Ausgesuchte Lehrpersonen setzten Aspekte dieses Konzepts schrittweise um.

Diskussion

Mein Experiment ist nur bedingt repräsentativ, da es in einem kleinen Zeitrahmen und unter speziellen Bedingungen an der Atelierschule Zürich stattfand. Auch brauchte ich für die theoretische Analyse, für die praktische Umsetzung in der Klasse, für die Auswertung der verschiedenen Befragungen und für die Gespräche mit Lehrkräften und der Schulleitung sehr viel Zeit, sodass die Umsetzung von den Lehrkräften zwar initiiert, doch nicht mehr analysiert werden konnte. Die Förderung der Motivation im Unterricht ist teilweise nur «Symptombekämpfung». Ein weiterer, interessanter Ansatz, um die Schule für die Schüler*innen noch motivierender zu gestalten, ist es, dass Schulen sich grundlegend hinterfragen und dynamischer verändern. Mit dem «mehrdimensional motivierenden Unterrichtskonzept» biete ich dazu der Atelierschule Zürich gezielte Anregungen.

Schlussfolgerungen

Das «mehrdimensional motivierende Unterrichtskonzept» weist in eine vielversprechende Richtung: Im Rahmen der sechs Deutschlektionen wurde nachgewiesen, dass durch gezieltes Vorgehen bezüglich des Verhaltens der Lehrperson, mit der Berücksichtigung der motivierenden Aspekte und mit einer entsprechenden Unterrichts- und Prüfungsgestaltung kurzfristig eine messbare Motivationszunahme auf Seiten der Schüler*innen*schaft erreicht werden kann. Doch nur mit grundsätzlichen Diskussionen unter Einbezug der Schüler*innen*schaft sowie einer Fokussierung auf die mehrdimensionale Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen wird sich die Motivation der Schüler*innen auf der Gymnasialstufe langfristig erhöhen.

 

 

Würdigung durch die Expertin

Dr. Christin M. Kunz-Koch

Ruben Fein greift ein brisantes Thema der Bildungsforschung auf und ging mit seinem SJf-Projekt ein Wagnis ein. Warum? Noch in der Schülerrolle analysierte er fundiert die Tücken des Fachunterrichtes in motivationaler Hinsicht, schlüpfte in die Lehrerrolle, gestaltete, dokumentierte und reflektierte akribisch eine Unterrichtsreihe, die das Motivationsniveau nachweisbar erhöhte. Darauf begründete und kreierte er ein umsetzbares Unterrichtskonzept. Möge nun seine immense Arbeit, die er auf verschlungenem Forschungsweg in engen Strukturen meisterte, die schulinterne Entwicklung bereichern.

Prädikat:

sehr gut

 

 

 

Atelierschule Zürich
Lehrer: Wolfgang Steffen