Üben?! Können individuell angepasste Übemethoden zu mehr Motivation und Leistung führen?

 

Gestaltung | Architektur | Künste

 

Aline Brunner, 2001 | Münchenstein, BL

 

Um dies herauszufinden, habe ich mich beim Studieren der Fachliteratur mit dem Üben am Instrument im Allgemeinen auseinandergesetzt: Wie definieren Fachkräfte das Üben, und welche Übemethoden steigern ihrer Ansicht nach Motivation und Lernerfolg? Für den praktischen Teil habe ich vier Geigenschülerinnen im Alter zwischen zwölf und vierzehn Jahren während sieben Wochen als Übecoach begleitet. Mit verschiedenen, zum Teil auf ihre jeweiligen Fähigkeiten und Vorlieben angepasste Übemethoden habe ich versucht, Motivation und Fortschritte der einzelnen Schülerinnen zu verbessern. Auch wenn ich nicht bei allen gleich grosse Veränderungen in ihrem Spiel bemerkt habe, sind die Rückmeldungen der Schülerinnen durchwegs positiv ausgefallen: Ihre Motivation hat sich erhöht, und sie haben Fortschritte erkannt. Das Übecoaching hat gezeigt, dass es wichtig ist, auf die individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen einzugehen, und dass angepasste Übemethoden massgebend zum Lernerfolg beitragen.

Fragestellung

In meiner Maturaarbeit nehme ich das Üben genauer unter die Lupe. Ich setze mich mit dem Übeverhalten von Jugendlichen auseinander, welche Geige spielen.
Dabei gehe ich der Frage nach, ob ihre Leistung und Motivation durch individuell angepasste Übeanleitungen gesteigert werden können.

Methodik

Nach dem Studieren der Fachliteratur zum Thema Üben am Instrument stellte ich ein Übekonzept für die Schülerinnen zusammen. Ich passte dieses ihrem musikalischen Können an, indem ich die Übemethoden vereinfachte oder mit meinen eigenen Ideen ergänzte. Interviews mit den Schülerinnen und ihrer Geigenlehrerin vor und nach dem Übecoaching, sowie Fragebögen dienten mir zur Auswertung. Meine Beobachtungen während der wöchentlichen Besuche bei den Schülerinnen und deren Rückmeldungen beeinflussten mein laufend angepasstes Übekonzept und die anschliessende Auswertung.

Ergebnisse

Während der Zusammenarbeit mit den Schülerinnen konnte ich feststellen, dass die Übemethoden jeweils unterschiedliche Veränderungen bezüglich Leistung und Motivation bewirkt hatten. Um den meines Erachtens wichtigen Aspekt der Individualität miteinzubeziehen versuchte ich, die Methoden dem Niveau und den Vorlieben der Schülerinnen anzupassen. In die Auswertung des Übecoachings flossen meine Beobachtungen, die Rückmeldungen der Schülerinnen sowie die ihrer Geigenlehrerin mit ein. Auch wenn die Geigenlehrerin und ich nicht bei allen gleich grosse Veränderungen in ihrem Spiel bemerkt haben, decken sich die Rückmeldungen der Schülerinnen mit meiner Überzeugung: Ihre Motivation wurde gesteigert, und sie waren in der Lage, ihre Fortschritte zu erkennen.

Diskussion

Meine Überzeugung, dass sich Leistung und Motivation durch individuell angepasste Übemethoden steigern lassen, bestätigte sich während des Übecoachings. Die grösste Herausforderung während des praktischen Teils dieser Arbeit bildete das Zeitmanagement. Bereits in den Frühlingsferien 2019 habe ich mir verschiedene Übemethoden überlegt. Während des Übecoachings musste ich sie allerdings den einzelnen Schülerinnen anpassen und von Woche zu Woche planen, welche Methode ich als Nächstes ausprobieren wollte, was einen grossen Zeitaufwand bedeutete. Ich realisierte, dass die sieben Wochen, welche ich für das Übecoaching zur Verfügung hatte, sehr knapp berechnet waren.

Schlussfolgerungen

Das Übecoaching hat gezeigt, dass es wichtig ist, auf die individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen einzugehen, und dass angepasste Übemethoden massgebend zum Lernerfolg beitragen. Somit kann die zu Beginn gestellte Frage bejaht werden. Allerdings lässt sich diese Antwort nicht verallgemeinern. Um den Zusammenhang zwischen individuell angepassten Übemethoden und der Motivations- und Leistungssteigerung genauer zu untersuchen, müsste das Übecoaching über mehrere Monate und mit einer grösseren Anzahl Schülerinnen durchgeführt werden. Das Übecoaching liesse sich auch mit Schülerinnen und Schülern anderer Instrumentengruppen erweitern. Interessant wäre es herauszufinden, wie sich Alter, Geschlecht und musikalisches Niveau auf die Ergebnisse auswirken würden.

 

 

Würdigung durch die Expertin

Elisabeth Frei-Kuster

Aline Brunner vermag die aus persönlicher Erfahrung entstandene Thematik pragmatisch und wissenschaftlich auf sprachlich hohem Niveau zu bearbeiten. Neben sorgfältig durchgearbeiteter Fachliteratur wurde die Möglichkeit, zu neuesten Erkenntnissen von Forschern zu kommen, mit grossem Einsatz genutzt. Die Feldstudie mit Kindern ist strukturiert, lückenlos dokumentiert und im Ergebnis aussagekräftig. In der selbstkritischen Auswertung weist die Autorin auf die Begrenztheit der Studie hin und formuliert Optimierungsvorschläge für weitere Forschungsbeiträge. Eine überzeugende, reife Leistung!

Prädikat:

sehr gut

 

 

 

Gymnasium Münchenstein, Münchenstein
Lehrerin: Jeanette Baur