Weibliche Genitalbeschneidung – theoretische Grundlagen und Aspekte für eine effektive, nachhaltige und interkulturelle Aufklärungsarbeit von Männern mit einem neu erarbeiteten, kostengünstigen Lösungsansatz

 

Geschichte | Geographie | Wirtschaft | Gesellschaft

 

Lara Zimmermann, 1999 | Wohlen, AG

 

Die Arbeit orientiert über die verbotene, kulturell tief verankerte Praxis weiblicher Genitalbeschneidung (FGC) von Mädchen, analysiert Beweggründe und zeigt psychische und physische Folgen für die Betroffenen auf. Strategien zur Aufklärung verschiedener Organisationen werden aufgeführt und neue Methoden für Aufklärungsarbeit werden diskutiert. Auf dieser Grundlage wird ein Ansatz mit Bezug zu Männern aus Tansania via Social Media vorgestellt, der drei Kommunikationsmodelle berücksichtigt. Diese ermöglichen eine wirkungsvolle interkulturelle Verständigung. Dazu wurde auf einem Instagram-Account eine Bilderreihe erarbeitet, die emotionale Aspekte berücksichtigt. Zusätzlich wurde eine Informationsbroschüre verlinkt, die der sachlichen Aufklärung dient.

Fragestellung

Welche theoretischen Grundlagen und Aspekte der weiblichen Genitalbeschneidung müssen für eine effektive, interkulturelle Aufklärungsarbeit berücksichtigt werden und wie wird ein konkreter kostengünstiger Lösungsansatz umgesetzt? Diese Kernfrage wurde in zwei Teilfragen gegliedert. (I) Was ist weibliche Genitalbeschneidung, welche Aufklärungsstrategien gibt es und was ist bei der Aufklärungsarbeit wichtig? (II) Wie kann die Aufklärungsarbeit für Männer in Tansania auf neue Weise so gestaltet werden, dass sie emotional anspricht, sachlich orientiert und mehr Nachhaltigkeit zeigt?

Methodik

Nach meinem Besuch in Tansania wollte ich mehr über die FGC erfahren. Ich arbeitete Bücher, Studien und Daten aus dem Internet durch, führte zwei Interviews mit Fachleuten aus Tansania und der Schweiz und erarbeitete eine alternative Aufklärungsstrategie. Für die Erstellung der Informationsbroschüre in bunten Farben, wie ich sie in Tansania beobachten konnte, benutzte ich Photoshop und InDesign. Für den Social-Media-Account, auf dem die Informationsbroschüre abrufbereit ist, wurden aus rechtlichen Gründen vorwiegend Bilder von Pixabay verwendet.

Ergebnisse

Aus den analysierten Daten geht hervor, dass die weibliche Genitalbeschneidung in allen betroffenen Ländern unterschiedlich stark rückläufig ist. Die Unterschiede bei den Prävalenzraten hängen unter anderem oft von der gesellschaftlichen Rollenverteilung oder der politischen Lage im betroffenen Land ab. Deshalb sind Bildung und Aufklärung die zentralen Faktoren. Bisher erreichten die Institutionen noch nicht die gewünschte Null-Toleranz – auch nicht in der Schweiz. Aus der Recherche geht hervor, dass heutzutage 89 Prozent der Frauen aus Tansania keine Beschneidungen mehr möchten, dies jedoch nicht durchsetzen können, weil Grosseltern und Männer im sozialen Geflecht als Schlüsselpersonen fungieren. Diese Erkenntnis führte zum Wechsel der ursprünglichen Zielgruppe. Die Informationsbroschüre wurde zusammengestellt, um Männer und Jugendliche in Tansania anzusprechen. Schon nach einer Woche wurde das Instagram-Profil 270 Mal besucht. Dies ermöglicht Jugendlichen somit, die kostengünstige Aufklärungsarbeit auch von zu Hause aus zu führen und ihren Teil zur Aufklärung beizutragen.

Diskussion

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass die neue Strategie zur Aufklärung der Männer via Social Media in kurzer Zeit bereits eine erstaunliche Wirkung zeigte. Es wäre spannend gewesen zu sehen, ob die Resultate anders aussehen würden, wenn die Informationsbroschüre auf einem anderen Netzwerk – beispielsweise Facebook – aufgeschaltet worden wäre. Um die Arbeit noch wirkungsvoller zu machen, hätte die Fragestellung bereits zu Beginn der Forschung eingegrenzt werden müssen. Dazu hätte die Aufklärung auf Instagram und auf der Website früher aufgeschaltet werden müssen, um eine bessere Zukunftsprognose bezüglich der Aufklärung via Social Media machen zu können. Die Resultate sind dennoch zufriedenstellend, da sich in kurzer Zeit zeigte, wie aktiv sich Tansanier auf Social Media aufhalten und sich mit dieser Thematik beschäftigen wollen.

Schlussfolgerungen

Vor allem in Ländern mit tiefen Prävalenzraten, beispielsweise Tansania, kann man einen Bewusstseinswandel feststellen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass genau in solchen Ländern die Aufklärung und die Bildung bezüglich der weiblichen Genitalbeschneidung mit Kampagnen und Weiterbildungen über Social Media gefördert werden. Wo die Aufklärung in kleinen Völkergruppen geschieht, ist vermutlich die Nachhaltigkeit am grössten, da dort der soziale Druck am geringsten ist. Abschliessend ist festzustellen, dass die Aufklärung zukünftig vorwiegend bei Männern vorgenommen werden sollte, da diese über mehr Macht verfügen. Somit ist es wichtig, Männer über Beschneidungsmotive aufzuklären und ihnen das Wissen zu geben, dass die weibliche Genitalbeschneidung auch eine ‚Männersache‘ ist.

 

 

Würdigung durch die Expertin

Dr. Christina Maria Kunz

Inspiriert durch eine Reise nach Tansania greift Lara Zimmermann ein anspruchsvolles Tabuthema auf, orientiert über die kulturell tief verankerte Praktik und stellt eine begründete, kostengünstige, neue Aufklärungsstrategie für Männer in Tansania vor. Sie kreierte mit viel Kunstgeschick eine bewusst düster gehaltene, Emotionen weckende Bildergeschichte für den Instagram-Account und eine kunstvolle, in bunten afrikanischen Farben gestaltete Informationsbroschüre. Wie die zunehmende Zahl der Follower zeigt, ist dies eine innovative Vorgehensweise mit hoher gesellschaftlicher Relevanz.

Prädikat:

sehr gut

 

 

 

Kantonsschule Wohlen
Lehrerin: Sabin Seraina Fässler