Cash is King – wie lange noch?

 

Geschichte | Geographie | Wirtschaft | Gesellschaft

 

Andri Kähr, 1999 | Aarau, AG

 

Die Digitalisierung beeinflusst seit mehreren Jahrzehnten unser Leben stark. Auch der Zahlungsverkehr ist davon nicht ausgenommen – Bezahlapps und Kryptowährungen sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Somit drängt sich unweigerlich die Frage auf, in welcher Form Geld in Zukunft existieren wird. Ist umständliches Bargeld in einer modernen effizienten Schweizer Volkswirtschaft überhaupt noch von Nutzen? Meine Arbeit zeigt die Chancen und Risiken einer potenziellen, bargeldlosen Gesellschaft auf. Des Weiteren wird ein eigener Lösungsvorschlag in Form einer Art Wallet mit elektronischem Bargeld formuliert, der einen integralen Bestandteil der Arbeit darstellt.

Fragestellung

Um die Thematik tiefgründig und detailliert behandeln zu können, wurden eine Haupt- und vier Teilfragen formuliert. Die Hauptfragestellung lautet: Soll in Zukunft in der Schweiz auf Bargeld verzichtet und ausschliesslich elektronisch bezahlt werden? Die Teilfragen beziehen sich auf die Parteien, die die Idee einer Bargeldabschaffung vorantreiben, die volkswirtschaftlichen Auswirkungen, die gesellschaftspolitischen Konsequenzen sowie die evidenten Vor- und Nachteile des digitalen Geldes.

Methodik

Um ein möglichst umfassendes Bild über die Thematik zu erhalten, wurden Quellen mit verschiedenen Funktionen und Ansichten für die Recherche verwendet. Diese Fakten stammen vor allem aus wissenschaftlichen Arbeiten, Fachliteratur, Zeitungsartikeln und Online-Informationsseiten. Zudem wurden Experteninterviews mit Dr. Daniel Kalt (Chief Economist Switzerland, UBS), Dr. Jürg Müller (Senior Fellow, Avenir Suisse), Dr. h. c. Beat Kappeler (Journalist, Buchautor und Kolumnist) und Heinz Karrer (Präsident Economieuisse und Mitglied des Bankrats der SNB) geführt. Des Weiteren wurde eine Umfrage lanciert, um Ansichten von Personen einzuholen, die sich selten bis nie mit der Materie befassen. Diese Elemente kombinierte ich dann mit meiner eigenen Meinung, um die Thematik zu analysieren und die Fragestellung zu beantworten.

Ergebnisse

Aus der Analyse geht hervor, dass man Bargeld ohne umfassendes und funktionierendes Substitut unbedingt beibehalten soll. Obwohl ein digitales Geldsystem zu grossen Kosteneinsparungen führt, wiegen die Nachteile einer Abschaffung zu schwer.
Vor allem die totale Überwachung, die im Falle einer digitalen Aufzeichnung jedes Zahlungsvorgangs einritt, oder auch der Verlust der persönlichen Freiheit sind von sehr hoher Bedeutung. Zudem birgt eine Abschaffung des Bargelds während einer Negativzinsphase, wie wir sie seit 2015 haben, eine prekäre Lage für Kunden und Kundinnen, da diese unter Druck der Geschäfts- und Zentralbanken kommen können.

Diskussion

Um die Vorteile von Bargeld und die Chancen einer Abschaffung zu vereinen, habe ich ein Konzept einer Wallet mit virtuellem Geld entworfen. Der Kern der Lösung ist der digitale Geldbezug. Es gibt eine Art Portemonnaie von der Grösse eines Cardholders, auf das man Geld laden kann. Hält man die Wallet an ein passendes Terminal, kann man per Contactless-Funktion bezahlen. Das Ganze soll in sich geschlossen sein, damit im Fall von Systemproblemen das Geld auf der Wallet gesichert wäre. Ausserdem darf die Wallet nicht auf eine Person registriert sein, sondern wird per Pin-Code geschützt. Somit soll die Anonymität, die Bargeld hat, auch bei digitalen Zahlungen sichergestellt werden. Die Wallet soll also das herkömmliche Portemonnaie ersetzen, weshalb ein Limit für den darauf zu ladenden Betrag wichtig ist.

Schlussfolgerungen

Diese Matura-Arbeit unterscheidet sich von vielen anderen Arbeiten in einem zentralen Punkt. Im Gegensatz zu vielen Beiträgen, die lediglich über einen feststellenden Charakter verfügen, beinhaltet diese Arbeit des Weiteren einen tragfähigen Lösungsvorschlag, denn der Spruch «Ich habe keine Lösung, bewundere aber das Problem» hilft nicht weiter. Dieser eigene Lösungsvorschlag – die Wallet mit digitalem Geld – ist im Moment noch eher eine Vision, eine Idee, die noch nicht ausgereift und marktfähig ist. Dieses Konzept kann allerdings durchaus ausgearbeitet und weiterhin verfolgt werden, um die Frage der Bargeldabschaffung zu beantworten.

 

 

Würdigung durch den Experten

Daniel Huber

Andri Kähr behandelt ein für die Zukunft der Schweiz sehr relevantes Thema grosser Komplexität. Die Arbeit ist sehr systematisch aufgebaut. Sie besticht einerseits durch ihre vollständige Argumentation sowie andererseits durch hochkarätige Interviewpartner. Dies gibt der Arbeit eine sehr solide Argumentationsgrundlage. Die Arbeit schlägt überdies einen konkreten Lösungsansatz für die beschriebene Problematik vor. Damit geht sie einen wesentlichen Schritt weiter als viele vergleichbare Studien. Zudem ist sie in sehr verständlicher Sprache abgefasst und praktisch fehlerfrei geschrieben.

Prädikat:

sehr gut

 

 

 

Alte Kantonsschule Aarau
Lehrer: Jürg Hoerner