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Sonja Bamert, 2002 | Liestal, BL

 

Bildung ist ein sehr wichtiger Faktor in unserem Leben: einerseits für das Individuum, andererseits für die Gesellschaft als ganze. Die soziale Situation macht es aber für viele Kinder schwierig, den ihrem Potenzial entsprechenden Lernerfolg zu erreichen. Aufgrund dieser Problematik habe ich in meiner Arbeit ein kostenloses Lernangebot entwickelt. Das Zielpublikum sind sozial benachteiligte Kinder der 5. oder 6. Klasse, da der Übergang in die Sekundarstufe I äusserst einschneidend für die weitere schulische Entwicklung ist. Bei diesem Lernangebot mit sieben Lernsitzungen steht der Erwerb von Lernstrategien im Vordergrund: Es geht darum, zu lernen, wie man lernt. Die Lernsitzungen werden für eine Gruppe von sechs bis acht Kindern angeboten. Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufe II fungieren als freiwillige Tutoren und Tutorinnen.

Fragestellung

Mit meiner Arbeit wollte ich herausfinden, wie Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufe II Primarschulkinder der Deutschschweiz, die aufgrund sozial bedingter Bildungsungleichheiten mit Lernschwierigkeiten kämpfen, in ihrem Lernverhalten sinnvoll unterstützen können. Aufgrund der Abklärungen und Recherche, die ich bereits im Vorfeld getätigt habe, fokussiert sich die Leitfrage nicht auf das «Ob», sondern auf das «Wie»; also auf die Umsetzung.

Methodik

Die vorhandene Literatur und Internetrecherchen zu sozialen Bildungsungleichheiten und zum Lerncoaching waren wichtige Grundlagen, um die Problemstellung klar darzulegen. Für die Entwicklung des Lernangebots habe ich mich mit den Grundlagen des Projektmanagements beschäftigt, um den Projektablauf optimal zu strukturieren. Dabei habe ich den Bedarf eines solchen kostenlosen Lernangebots abgeklärt, die Ressourcen organisiert, ein detailliertes Konzept für sieben Lernsitzungen erarbeitet sowie eine Evaluation der Lernsitzungen anhand eines strukturierten Fragebogens durchgeführt. Wichtig waren für die Erarbeitung des Konzepts nebst der Hintergrundliteratur die Gespräche mit der Klassenlehrperson der ausgewählten Primarklasse sowie Einzelgespräche mit den Teilnehmenden.

Ergebnisse

In der Schweiz bestehen soziale Bildungsungleichheiten. Zur Reduktion und Behebung dieser Ungleichheiten sind verschiedene Lösungsansätze entwickelt worden. Da grössere politische Reformen und Massnahmen nicht von Schülern und Schülerinnen der Sekundarstufe II umgesetzt werden können, habe ich mich für ein Projekt auf lokaler Ebene entschieden. Basierend auf meinen Untersuchungen ist das von mir entwickelte Lernangebot mit einem Grundlagenkoffer für sieben bis neun Lernsitzungen eine sinnvolle Art und Weise, sozial benachteiligte Primarschulkinder in ihrem Lernverhalten zu unterstützen. Dies geschieht mit der Vermittlung von Lernstrategien wie Lernplanung, Lesestrategien und Visualisieren von Inhalten. Aufgrund einer ersten Evaluation kann bestätigt werden, dass der Erwerb von Lernstrategien von den Kindern als hilfreich empfunden wurde und Schüler sowie Schülerinnen der Sekundarstufe II als Tutoren und Tutorinnen geeignet sind. Das Lernangebot hat aber auch Grenzen. Kinder mit starken kognitiven Schwächen sowie einer sehr geringen Aufmerksamkeitsspanne benötigen eine andere Unterstützung.

Diskussion

Meine Arbeit zeigt auf, wie Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufe II mitwirken können, um sozial benachteiligte Kinder mit Lernschwierigkeiten zu unterstützen. Dazu ist allerdings von verschiedenen Seiten ein grosser Einsatz nötig. Insbesondere die Rekrutierung der Freiwilligen war herausfordernd. Wünschenswert wäre ein Einbezug von Schülern und Schülerinnen der Berufsschule gewesen. So hätte ein vollständigeres Bild der Möglichkeiten des schweizerischen Bildungssystems aufgezeigt werden können. Weiter ist zu bemerken, dass die Evaluation aufgrund der coronabedingten Verschiebung des Projekts in meiner Arbeit noch nicht abgeschlossen werden konnte. Die Feedbackbogen waren hilfreich, um erste Eindrücke zu sammeln.

Schlussfolgerungen

Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufe II können einen wichtigen Beitrag leisten, damit sozial benachteiligte Kinder ihr Lernverhalten optimieren und somit ihre Chancen auf die schulische und berufliche Weiterentwicklung erhöhen können. Damit das richtige Zielpublikum angesprochen wird, ist es zentral, eng mit der Klassenlehrperson und Schulleitung der Primarschule zusammenzuarbeiten. Zurzeit prüfe ich mit der Schulleitung der FMS meines Gymnasiums, inwiefern eine Einbindung der FMS Pädagogik in das Lernangebot für eine Institutionalisierung des Projekts möglich wäre. So wäre die Freiwilligenrekrutierung in einem System integriert, und das Angebot könnte auch auf weitere Primarschulen mit Bedarf ausgeweitet werden.

 

 

Würdigung durch die Expertin

Dr. Sara Signer

Sonja Bamert besticht in Ihrer Arbeit zu einem Konzept für die Verbesserung des Lernverhaltens von sozial benachteiligten Kindern durch eine schlanke, institutionell integrierte und pragmatisch umsetzbare Lösung. Nach einer strukturierten Analyse über den Bedarf an Unterstützung für sozial benachteiligte Kinder innerhalb des Schulsystems legt sie ein selbst entwickeltes Lernangebot für sieben bis neun Lernsitzungen vor (z.B. Lernplanung, Lesestrategie). Als Lerncoaches fungieren Schüler/innen der Sekundarstufen II. Die Evaluation bestätigt den Erfolg sowie die Notwendigkeit des Angebots.

Prädikat:

hervorragend

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Gymnasium Liestal
Lehrerin: Maja Ruef