Nachweis des Placeboeffekts anhand der Tränenflüssigkeit bei Pollenallergikern

 

Chemie | Biochemie | Medizin

 

Larissa Deflorin, 2001 | Bonaduz, GR
Lara Dössegger, 2001 | Vaz/Obervaz, GR

 

Der Placebo-Effekt gilt als Phänomen, welches die Wissenschaft immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Ziel dieser Arbeit war es, den Placebo-Effekt bei Pollenallergikern anhand von einem Placebo-Mundspray nachzuweisen. Dazu nahmen 30 Testpersonen über 14 Tage entweder ein wirkstoffangereichertes oder ein wirkstoffloses Medikament ein. Zusätzlich dazu entnahmen sie sich Tränenflüssigkeit und führten ein Allergie-Tagebuch. In diesem konnten die Probanden/innen ihre Symptome, die Nützlichkeit des Medikaments sowie persönliche Verbesserungen festhalten. Bei der Untersuchung der Tränenflüssigkeit, mit Hilfe der Western Blot-Methode, konnten keine eindeutigen Ergebnisse bestimmt werden. Hinweise für Placebo-Effekte wurden dennoch, durch die Auswertung der Allergie-Tagebücher der Testpersonen, gefunden.

Fragestellung

In dieser Arbeit geht es um den Nachweis des Placebo-Phänomens bei der Pollenallergie. Das Ziel war es, zu untersuchen, welchen Einfluss die Behandlung von Pollenallergikern mit neutralen oder wirkstoffangereicherten Mundsprays („Spagyros Ribes nigrum Mundspray“) auf die Immunglobuline in der Tränenflüssigkeit hat und inwiefern diese Behandlung die wahrgenommene Symptomatik der Probanden/innen beeinflussen konnte.

Methodik

Zur Durchführung dieser Arbeit wurden die gemmotherapeutischen „Spagyros Ribes nigrum Mundsprays“ verwendet. Dabei handelt es sich um 30 Mundsprays, die von der Firma Spagyros unterschiedlich codiert wurden: nur die Hälfte aller Medikamente enthielten einen Wirkstoff, die anderen enthielten keinen Wirkstoff, waren also Placebo-Mittel. Diese Mundsprays wurden dann doppelblind den Testpersonen zugeteilt.
Die Tränenflüssigkeit wurde durch das Zentrifugieren von den Entnahmestäbchen getrennt und anschliessend mit Lämmli-Puffer vermischt. Die Probe wurde dann in ein Polyacrylamid-Gel gefüllt, welches danach einer Spannung ausgesetzt wurde. Dadurch wanderten die Proteine durch das Gel. In einem weiteren Schritt wurde das Gel, zusammen mit einer Membran, in eine Blotting-Kammer gegeben und wiederrum einer Spannung ausgesetzt. Die Membran inkubierte man zuerst mit dem Primär- und danach mit dem Sekundärantikörper. Für die Entwicklung der Membran gab man sie zum Schluss in eine Lösung aus HRP-Substraten.

Ergebnisse

Aus den Allergie-Tagebüchern ging hervor, dass die 30 befragten Probanden/innen nur an vereinzelten Tagen unter Symptomen litten. Zudem äusserten sich die Testpersonen zu verschiedenen Einflussfaktoren, welche ihre Allergie sowohl positiv als auch negativ beeinflussten. Zu den meist genannten Einflussfaktoren zählten «Spaziergang» und «Wind», die als verschlechternd empfunden wurden. «Dusche» und «Sonnenbrille» hingegen wurden als unterstützende Aspekte verzeichnet.
Bei der Untersuchung der Tränenflüssigkeit, mit Hilfe der Western Blot-Methode, konnte kein Placebo-Effekt nachgewiesen werden. Die Auswertung der Allergie-Tagebücher zeigte jedoch, dass 33% der 15 Probanden/innen, welche ein Placebo-Mittel erhielten, dieses als wirksam empfanden; die restlichen 67% empfanden es als nicht wirksam. Zudem ist auffallend, dass nur 53% der Probanden/innen, die ein wirkstoffangereichertes Medikament erhielten, dieses als wirksam wahrnahmen und 47% der Probanden/innen, dieses als nicht wirksam wahrnahmen.

Diskussion

Obwohl alle Probanden/innen der Medikamentengruppe ein wirkstoffangereichertes Medikament erhielten, ist es erstaunlich, dass gerade in dieser Gruppe die meisten Testpersonen über Symptome klagten. In der Placebogruppe hingegen, welche ein wirkstoffloses Medikament erhielt, beschwerte sich der Grossteil der Probanden/innen, während den gesamten zwei Wochen nur über wenig Symptome. Dies könnte daran gelegen haben, dass der wirkstofflose Mundspray unbewusst zu einer Verbesserung der Symptome geführt hat, was auf einen Placebo-Effekt hindeuten könnte.
Die Ursache für die fehlenden Resultate in der Tränenflüssigkeit kann an verschiedenen Aspekten gelegen haben. Obwohl viele Verbesserungen, die Membranen auszuwerten, bei weiteren Durchläufen ausprobiert wurden, so beispielsweise die Erhöhung der Antikörperkonzentration oder die Veränderung der Dauer der Waschzeiten, konnten dennoch keine eindeutigen Resultate erzielt werden.

Schlussfolgerungen

Aus dieser Arbeit lässt sich schliessen, dass Placebo-Effekte auf verschiedenen Ebenen beobachtet werden können. Obwohl kein Placebo-Effekt bei objektiven Symptomen nachgewiesen werden konnte, deuteten eine Reduktion der subjektiven Symptome bei der Placebogruppe darauf hin, dass sich das Phänomen des Placebo-Effektes bei Pollenallergikern nachweisen lässt.

 

 

Würdigung durch die Expertin

Dr. Regula Neuenschwander

Die Autorinnen haben keinen Aufwand gescheut, den Placebo-Effekt in einer doppelblind randomisierten Studie mittels einem Placebo-Mundspray bei Pollenallergiker*innen sowohl anhand objektiver wie auch subjektiver Daten nachzuweisen. Weder durch die sorgfältig durchgeführten Proteinanalysen der Tränenflüssigkeit noch durch die umfangreichen Allergietagebuchdaten konnten jedoch bedeutsame Placebo-Effekte nachgewiesen werden. Die selbstkritische und tiefgründige Auseinandersetzung und Diskussion beobachteter Symptomfluktuationen lassen ein beachtenswertes wissenschaftliches Niveau erkennen.

Prädikat:

gut

 

 

 

Bündner Kantonsschule, Chur
Lehrerin: Franca Bernhard